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[Dritter Band. - Vierter Band.]
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XXI.

Die Lügen.

Du magst so oft, so feiu als möglich lügcn,Auch sollst du dennoch uicht bclrugcn.

Eiu ciuzigmal «ur hast du ncich belrogcn.Das kani daher, du hattest nickn gcioqc».

Ucffms.'

Die Lüge scheint der eigentliche faule Fleck in der Menschennatnr,und wenn sie auch nicht vom Vater der Lüge stammen sollte, vomTeufel. Unser ältestes Buch nennt die Menschen geradezu alle Lügner,und läßt das erste Verbrechen, wodurch das Böse in die Welt kam,nicht von Kains Brudermord herkommen, sondern von der ersten Lüge;und David seufzt: „Wie habt ihr das Eitle so lieb, und die Lüge sogerne, Scla!" Der natürliche, unverdorbene Mensch aber scheint dochWahrheit zu lieben; erst mit der Kultur kommen Leute mit Wahrhcits-schcn, eine wahre moralische Krankheit, wie die Wasserscheu der Hunde,die in Wuth sind. Einige lügen bloß aus Beschränktheit, weil sieruhig in ihrem eingelernten Jdccnkreisc bleiben wollen, Andere ausbösem Gewissen, und wieder Andere aus Gewohnheit und reinemMnthwillen, und so zieht eine Unwahrheit die andere nach sich, sobaldwir vom Pfade der Wahrheit und des Rechts einmal gegen unsereUeberzeugung abweichen. Der Mensch, der täglich in Gesellschaft lebtund selten mit sich selbst, über Vieles sich gar nicht, oder nur im Sinneder Gesellschaft äußern darf, wird endlich unwahr; daher gab es beiunsern häuslicheren Alten weniger Windbeutel und Lügner. Wo gc-ricthcn wir hin, wenn wir nach dem Sprüchwort unserer Alten han-deln wollten: „Auf eine Lüge gehört eine Maulschelle?"

Die Wahrheit ist eine Tochter des Himmels, daher nur bei denGöttern, und Wahrhaftigkeit der erste Zug der Tugend, die auch seltengenug ist. Wie Viele lieben die Wahrheit um ihretwillen oder suchensie? Sie liegt begraben im Schlamme der Lügcn >.nd der Sektirer,und voritiis I>!>rit oäiuni. > Wahrheit macht die Mcnschlein hienicdcnweniger glücklich als Irrthum und Täuschung, und läßt sich auchnicht so prüfen, wie Mcnage's Mutter sie prüfen konnte; die Katzesollte ein ganzes Pfund Butter gefressen haben, sie wog sie, und das

t Wahrheit erzeugt Haß.