2S4
ausrief: „Was, ein Mal? mehr als zehn Mal!" Politische Lügen sindprivilcgirt, wie großmüthige Lügen vor gesunder Moral, um Anderezu schonen, wie Hoflügen, die Schmeicheleien sind. Der Apostel Paulussagte: „Ich achte Alles für Dreck;" in unserer Lnftballonszeit hätteer feiner gesagt: „Ich achte Alles für Luft," und daher ist auch Me-teorologie eines der Lieblingsstndien unserer Zeit. Hat nicht selbstdie Natur zwcinnddrcißig Winde ? Hängt nicht selbst der ernste Mannden Mantel nach dem Winde, wenn er einmal weiß, wo er herkommt?und sind nicht bei unsern Stnndevcrsammlungen Gcschwindschrciberaufgestellt, die Protokolliren, was in den Wind gesprochen wird?
Selbst unter die großen Männer haben sich die Lügner hincin-gewindbentclt, so daß jener Epigrammatist Recht hat, wenn er sie mitKirchthürmen vergleicht, weil um beide gewöhnlich viel Wind geht,nur mit dem Unterschiede, daß große Männer in der Nähe, Thürmeaber in der Ferne kleiner aussehen. Sie gleichen Constantinopcl, dasin der Ferne ungcmein viel erwarten läßt und mehr denn jede andereStadt Europcns täuscht, sobald man den Fuß in seine Straßen setzt.Es gibt sogar ganze Lügnerfannlicn, wo die Untugend forterbt aufKinder und Kindeskindcr, wie in gewissen Familien die Kunst, oderauch die Theologie, und sie verbinden damit eine so edle Dreistigkeit,daß sie, auch auf der That ertappt, so wenig verlegen sind als der Wirth,der ein ganzes Simri Dukaten besitzen wollte, und endlich ein kleines,rundes Schächtelchcn zum Vorschein brachte; „das Dnkatenmaß," sagteer, ist um vieles kleiner als das Fruchtmaß, hier ist das Dukaten-maß!"
Anerkannte Lügner bringen es endlich zu dem nämlichen Punktewie der, der die Wahrheit spricht; man darf nur immer das Gegen-theil glauben, und man hat die Wahrheit. Aber wenn sie denn docheinmal die Wahrheit sagen, dann muß man mit Voltaire sprechen:s'il oot vrai xar nialüenr, xourgaoi Itonsiour Is <lit-il k ' Wie ver-schieden von Cato, der es zum Sprüchworte machte, von einer un-glaublichen Sache zu sagen: „Ich glaube es nicht, und wenn es Catosagte." Sie können bloß mit dem Hanswurst sprechen: „Schant's,daß i nit lüg, wenn i die Wahrheit sog." Wir haben ein altes Räthsel:Ein Blinder sah es, ein Lahmer fing es, ein Tauber hörte es, undein Nackender steckte es ein. Was ist das? Eine Lüge! Lügnernkann man noch am ehesten ein Geheimniß anvertrauen, denn Niemandglaubt ihnen, und eine brittische Jury soll über einen seines Vcr-i Wenn eS unglücklicherweise wahr ist, weßhalb sagt es der Herr?