Band 
[Siebenter Band. - Achter Band.]
Seite
11
JPEG-Download
 

entsteht Vergnügen, wir mögen Gegenstand, Urheber oder bloß Zu-schauer und Zuhörer des Scherzes sein. Das Vorübergehende ist daswahre Merkmal, das den Scherz vom Komischen unterscheidet, welchesbleibender ist. Der Scherzende will den Andern augenblicklich täuschen;dieser soll die Absicht merken, und dies ihm Vergnügen verursachen;gar oft verfehlen wir aber unsern Zweck. So bot ich einem Land-geistlichen, der wenig mehr stndirte, bei Ausmusterung meiner allzuzahlreichen Bücherei einige Bücher zum Geschenke: „Ich will Siewieder zur Literatur zurückführen," sprach ich lächelnd, „dafür müssenSie mich aber wieder in den Schorst der Kirche bringen, was dennein noch grösseres Wunder wäre." Er fand sich beleidigt und wurde grob.

Der Scherz ist wie die Musik; ein wenig gute Musik macht Ver-gnügen, zu viel ermüdet, je schwerer und künstlicher sie ist. Die flat-terhafte Natur des Scherzes widersteht der Verewigung: daher gedruckteScherze sich ausnehmen wie gemaltes Lachen. Der Scherz darf nichtkränken oder beleidigen; boshafter Scherz ist ein Widerspruch; er sollgefallen und erfreuen, wie es auch die Griechen mit ihremund die Franzosen mit ihrem xlaisanter ' andeuten. Blich dünkt,wir könnten auch hier von den Franzosen Vieles lernen, die alle Steif-heit in Gesellschaft ablegen, und ihre ckoues moguerio, wie MadameStael sagt, stndiren: gui ckstasos I'ssgrlt st ckoims ä In bienvsitlaiiesniKmö uns ta^ou piguants äs s'sxgrliuer. ^ In Deutschland verstehenwir uns hierauf nur wenig; wegen recht erlaubter Scherze habe ichGrobheiten mit angehört und sogar Händel erlebt, wo Franzosen mit-gelacht hätten, wenn es sie auch selbst angegangen hätte; seitdemschweige ich lieber, und wird der Scherz grob, so schleiche ich mich inaller Stille fort. Wo man Offenheit und Jovialität so wenig zuwürdigen weist, dast man sogleich beleidigende Anspielungen darinfindet, darf ein Verständiger nie die eiserne Maske kalter Höflichkeitablegen.

Der Scherz soll den Umgang beseelen, die Stunden der Lang-weile beflügeln, den Lebensgenuß erhöhen, leicht und froh gaukelnd,wie der Schmetterling um die Blumen im Sonnenstrahl; dann gehtauch die Seele, die bei Geschäften oder in der Einsamkeit steif, stumpfund scharf geworden, auf, wie die Pflanze im Frühlingsregcn; derFrohsinn erwacht in solcher Gesellschaft bei einem freundlichen Mahleund gutem Wein, ja selbst bei Bier unter einem verbrüdernden Ta-

l Scherzen. — 2 Liebliche Neckerei, welche dem Geiste die Ermüdung benimmt, unddem Wohlwollen selbst eine pikante Art des Ausdrucks verleiht.