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Gott steh' ihr beiDer Klerisei,
Die Laien lernen lesen!
Wenn indessen noch zur nämlichen Zeit die Britten den Papstin olkigis unter einer Menge Possen verbrannten, so dürfen wir bloßlächeln, daß in dem paritätischen Augsburg Köche ihre Kunst anbotenohne Rücksicht auf Religion, und Katholiken von Bällen wegblieben,und nur reine Protestanten tanzten, und Inspektor Werlhof auf eineneue Glocke setzen ließ: „Bim, bam, bum, Vivat Lutherthum." Inmehreren Gegenden Deutschlands hörte ich das Sprüchwort, von üblerLaune und Ungeduld ausgepreßt: „Nein, das ist zum Katholischwerden!" nie aber umgekehrt; viele Katholiken, selbst vertraute Welt-geistliche, haben mit mir über ihre Albernheiten gelacht, selten aberprotestantische Wolkenkräglcr und Gesetztäfler. Doch machte nicht selbstPhilosoph Jakobi unsern Lessing zum Spinozistcn? Erklärte nicht innoch neuerer Zeit die liebe fromme Einfalt Kant, Fichte und Schel-ling für Freigeister und Atheisten, verbot und verfolgte sie, statt siezu widerlegen? Es ist lächerlich, ein philosophisches System voneiner positiven Religionslehre abhängig zu machen, denn der wahrePhilosoph ist weder Jude noch Türke, weder Heide noch Christ, wederKatholik noch Protestant. Lutheraner und Reformirte nennen sich jetztvereint Evangelische; sie hätten sich über solche Lächerlichkeiten garnie trennen sollen; doch Theologen haben ja die Gottheit zu zerlegenverstanden, wie Newton das Licht, oder ein Anatom den Körper desMenschen; aber es war so viel Geschrei über diese Vereinigung zumEvangelium, daß die Leutchen unmöglich noch radikaler kurirt seinkönnen.
Die sogenannten Protestanten arbeiteten bloß auf den Katholicis-mus los und auf den Glauben; Luther konnte sich von seinem heiligenAugustin nicht trennen und sah in Jesus einen Messias st In Klopstock,nicht den moralischen Gesetzgeber der Menschen, und Melanchthonwar nur Philosoph, wenn es den Ablaß und die guten Werke derKatholiken galt. Reuchlin wäre vielleicht der rechte Reformator imhöhern Sinne gewesen ohne Trennung. Leibnitz habe ich nie begreifenkönnen, daß er sich zehn Jahre mit der Vereinigung abgeben mochte;wie ist nur eine möglich, so lange von Katholicismus und Protestan-tismus noch die Rede sein kann? Und unsere wohlgemeinte Refor-mativnsseier 1817 führt auch nicht dahin. Der schlesische Edelmannvon Swenkfeld galt für einen Schwärmer, weil er sagte: „Luther Hai