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Ist im Mittelpunkt der Erde ein Abgrund und Sonne und Mondbevölkert? so werden Einige Ja sagen und Andere Nein, die Einenes wahrscheinlich, die Anderen solches lächerlich finden; der Gegenstandist über unserem Horizont, und so hören die Meinungen auf, überein-zustimmen. Aber ist es weise, über das, was wir nicht begreifen undnicht wissen können, über Meinungen uns herumzubalgen? SindMeinungen die Wahrheit? Soll die Welt der Chimären so viel Ein-fluß haben auf die Welt der Wirklichkeit? Religion ist ein Prisma,von dessen sieben Farben sich Jeder seine Lieblingsfarbe wählen mag,alle aber rühren nur von einem Sonnenstrahl: werden wir uns baldoder niemals eines solchen Prisma zu erfreuen haben?
Nordamerika's Religionsfreiheit und W. Penns Vorgang, Fried-richs Beispiel und seine Worte: „Bei mir kann Jeder glauben, was erwill, wenn er nur ehrlich ist," die auf Joseph zurückwirkten, schufeneine' bessere Kirchenwelt. Franklin wollte sogar wissen, daß der Thür-hüter des Paradieses, der so cholerische Petrus, jeden Glaubensgenossenzu den Seinigen hinweise und einst einen großen Haufen vor derHimmelspforte so lange stehen ließ, bis sie aus Langweile zusammensangen: „Wir glauben all' an einen Gott;" dann öffneten sich diePforten, und sie hörten die Worte: „Hundsfötter, hättet ihr gleich sogesungen, so hättet ihr nicht so lange warten müssen." Petrus sollsogar Franklin, der ihm offen beichtete, daß er keine andere Religionhabe, als das Naturgesetz und die Menschenliebe, zugeflüsterthaben: „Komm herein und nimm Platz, wo du willst!"
Seitdem lachen wir über die Händel wegen Bewahret undVerwahret, wie über Capricen, und lassen den Einen so ruhigbeten: „Unser Vater, erlöse uns vom Bösen," als den Andern: „Vaterunser,' erlöse uns vom Uebel;" beten nicht gar Katholiken eigentlich:
Mutter unser?" Wir lachen, wie über die Anhänger Omars undAli's, deren ein Theil die Reinigung vor dem Gebete bei den Finger-spitzen, der andere Theil aber beim Ellenbogen anfängt, und die sichdarüber anfeinden. Seitdem hörten wir von „Toleranzpasteten" zuAugsburg und hätten sie noch lieber gegessen. Der Nachrichter Krauszu Mainz machte bekannt, daß er seine Stelle nebst dem Wasen zuverkaufen gesonnen, ohne Rücksicht auf Religion, und ein Würzburgerreicher Jude, der ein Schwein auf dem Rücken trug, erwiderte einemsich darüber wundernden Bürger: „Es ist Toleranz." Wäre es nichtschimpflich in Zeiten, wo Katholiken und Protestanten sich dulden,wenn es Lutheraner und Reformirte noch halten wollten, wie zu Bre-