auch als Männer es mit der Natur; selbst als Gesetze an die Stelledes Naturrechts traten, entschieden gerichtliche Zweikämpfe im Glau-ben, daß Gott selbst entscheide. Natürlich hatten schlaue Pfaffen nichtsgegen Ordalien, die ihnen neuen Einfluß gaben; Jeder konnte dieProbe halten, wenn sie wollten, glühendes Eisen in die Hand neh-men und über Feuer hinwegwandeln; er durfte nur Füße und Händesich von ihnen salben lassen mit reinem Schwefelgeist.
Das Kampfrecht stand einmal in so hohem Ansehen, daß selbstKämpfe zwischen Mann und Weib stattfanden, nur daß der Mannbis an den Gürtel in einer Grube stehen mußte; ja in Frankreich er-kannte man selbst auf Duell zwischen einem Hunde und dem Mann,der dessen Herrn gemordet hatte, und wer will läugncn, daß dieserSitte der Germanen, von der sich noch im siebenzehnten JahrhundertSpuren zeigten, etwas Edles zu Grunde liege, besser als die Blutrachedes Arabers, oder das Lsnoästto il voltollo' und der Dolch desItalieners? Meuchelmord verabscheuen noch heute die nordischen Völkergroßherzig; wie hätte sonst der größte Italiener sein loses Spiel solange treiben können ? Die Sitte muß vor höherer Kultur verschwinden;sie ist, wo das Gesetz herrscht, barbarische Unsitte und lächerliches Vor^urtheil, über Kleinigkeiten oder ein spitziges Wort Leib und Lebenaufs Spiel zu setzen. Aber ihr bleibt immer etwas Edles; daher manauch Soldaten, deren Beruf Waffen, Muth, Stärke und Ehre seinsoll, etwas nachsehen muß. Es liegt etwas Natürliches und Männlichesin der Selbsthilfe, und daher gab ich einst meinem kleinen Ncveu, dervon seinem Kameraden bcohrseigt, heulend auf mich zulief, noch einigestärkere Ohrfeigen: „Hundsfott, wehre dich!"
Die Vernunft sagt uns, daß es keineswegs in der Gewalt desBeleidigers stehe, mir meine Ehre zu rauben, daß das Mittel, mirGenugthuung zu schaffen, mich gerade dem Beleidiger von Neuem bloß-gibt, der mir eine größere Beleidigung Zufügen kann, oder zur verächt-lichen Rachsucht wird und auf jeden Fall ein Eingriff bleibt in die Rechtedes Staates. Die Veranlassungen sind oft wahre Kleinigkeiten. Ist esvernünftig, sich deßwegen verstümmeln zulassen oder zu verstümmeln, sichmorden zu lassen, oder Andere zu morden? Beweist ein kaltes Eisenmehr für die Ehre des Mannes, als das heiße Eisen des Mittelaltersfür die Ehre des Weibes? Man fordert wegen Bezüchtigung einerLüge; liar^ ist das stärkste Schimpfwort der Britten, und ich halte
1 Gesegnet sei das Messer (ursprünglich ein Ausrus des Entzückens beim Anhören«mcs kastrirteii Sängers). — r Lügner.