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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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dumme Mittclalter auf Mysterien. Nicht leicht wird es eine der dra-matischen Behandlung fähige Bibelgeschichte geben, die nicht in Kirchenund Klöstern aufgeführt worden wäre; die Nonne Roswitha zu Gau-dersheim, Helene von Rossow, ahmte unter den Ottvnen schon denTerentius nach in lateinischer Sprache, lediglich, um den abscheulichenHeiden christlich frommen Händen zu entreißen; die Liebe wird in ihrensechs Stücken überwunden von der Religion, Heiden werden haufen-weise Christen, ja selbst Märtyrer und Blutzeugen; diese Komödiender guten Nonne konnten weit eher Trauerspiele genannt werden. Inihrem Dulcinius wird der heidnische Held, der die Nonnen dazu ge-brauchen will, wozu sie die Natur erschaffen hat, rasend und umarmtin seiner Wuth statt Mädchen die vor deren Gefängnisse stellendenTöpfe, Kessel und Bratpfannen! Doch wenigstens ein komischer Zug!

Die erste Erwähnung der sogenannten Mysterien finden wir imEnlenspiegel, wo er in der Ostermette ein Spiel machte, daß sich derPfaffe und seine Köchin mit den Bauern herumschlugen. Enlenspiegelwar Küster, und bei Vorstellung der Auferstehung -nachte des Pfaffeneinäugiges Mensch den Engel im Grabe sitzend. Auf ihre Frage:„Wen suchet ihr?" sagten die abgerichteten einfältigen Bäuerinnen:„Wir suchen des Pfaffen einäugiges Kebsweib." Da fuhr der Engelwüthend wie ein Teufel aus dem Grabe nach den Haaren und Augender armen Weiber, welche die drei Marien vorstellten; selbst der Pfaffeder doch Christum vorstellen sollte, vergaß alle Sanftmuth, und daAlle einander recht in den Haaren lagen, schlich sich Enlenspiegellachend zur Kirche hinaus und entwich.

Jni Dom zu Halberstadt sieht man noch den Stein, auf demVater Adam saß, als er, aus dem Paradies verjagt, am Aschermitt-woch wieder begnadigt wurde, wovon die Bibel kein Wörtchen weißund die Erbsünde ohnehin nichts. Am Hofe zu Eiseuach stellte man1322 die zehn Jungfrauen vor, und da die thörichten kein Oel mehrhatten, und die klugen ihnen keines abgeben wollten, selbst nicht aufFürbitte der heilige» Jungfrau und aller Heiligen, so wurde derMarkgraf darüber melancholisch. Noch schlimmer fiel die Vorstellungder heiligen Dorothea auf dem Markte zu Bnutzen 1412 aus. EineMenge Zuschauer saß auf einem Dache, das einstürzte, und hundertdreiunddreißig Menschen verloren das Leben über der heiligen Doro-thea, die bekanntlich dem Theophilns, der bei ihrer Hinrichtung sie soverspottet hatte, die schönsten Aepsel und Blumen aus dem Paradiesesandte. In einem andern Stück aus dieser Zeit erschienen die vier