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als das der ernsten Völker; denn der Seele gefallen Empfindungen,die sie schnell ans ihrer gewöhnlichen Empfindungsweise in eine an-dere versetzen, daher man Shakspeare um so lieber verzeiht, wenn erso gern Tragisches und Komisches mischt. Die Lustspiele der Brittencharakterisirt komische Kraft, die dem Auslande zu stark scheint, wieuns fügsamen Deutschen die Selbstständigkcit des Englishman. Sielieben Natur und Darstellung des gemeinen Lebens; ihre freie Ver-fassung erlaubt ihnen, frei zu denken, frei zu handeln und frei zu sein,folglich auch Manches auf der Bühne, was man anderwärts unschick-lich findet. Freiheit zeugt Genie, Genie Charaktere oder Originale;kein Britte gleicht dem andern; London ist eine wahre Galerie vonOriginalen, und der komische Witz gleicht weniger dem attischen Salz,als vielmehr dem Meersalz.
Das englische Theater begann gleichfalls mit Mysterien und Mo-ralitäten, und moralisch ist gewiß ein unter König Heinrich III. be-liebtes Stück Lver)' man (Jedermann). Er soll vor Gott gestelltwerden und der Tod ihn vor Gericht schleppen; er sucht seine Zu-flucht bei Freunden, beiin Reichthum, bei der feinen Gesellschaft, abe»sie verlassen ihn; er wendet sich zur guten That, die ihm Vorwürfemacht, dann zur Erkenntniß, Reue und Besserung, die ihn zum Em-pfang des heiligen Abendmahls bringen; nun verlassen ihn aber auchalle fünf Sinne, sowie Schönheit, Gesundheit und Verstand, die guteThat allein bleibt, ein Engel singt das Requiem und den Epilogspricht ein Doktor.
Das erste englische Lustspiel ist: SammsrgoLiton's nssüle 1550,im Niedrigkomischen das, was in Frankreich der katslin ist.
Gammergourton verliert ihre Nadel, während sie des Knechts Hosenflickt; sie hat ihre Nachbarin im Verdacht und balgt sich mit ihr; selbstein Priester, der ausgleichen will, bekommt Prügel; am Ende findetsich die Nadel in den Hosen, da der Spaßvogel, der Alles angestiftethat, einen Eid ablegen soll, wobei er so stark darauf schlägt, daß dieNadel dem Knecht tief in den Hintern fährt. Erst mit dem hohenGenius der brittischen Insel, mit Shakspeare, der so groß im Komi-schen als Tragischen genannt werden darf, was wir von Schiller undGoethe nicht sagen können, hob sich das Drama plötzlich zu einer Höhewie mit Plautus zu Rom. Shakspeare steht unter den übrigenDichtern wie der große, gewaltig durchs Meer schreitende Christoph,das Jesuskind auf dem Rücken, und steht unter ihnen wie der Ste-phansthurm unter den übrigen Thürmen Wiens.