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[Neunter Band. - Zehnter Band.]
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haben, daß Alle weinten. Aber die poetische Bildung unserer Zeit istdurchaus romantisch, nichts vom Vorhandenen oder Gegebenen oderWirklichen, sondern erhabene Sehnsucht nach dem Geahnten, Unbe-kannten, Unendlichen. Ist also die Oper, diese Vereinigung der Poesiemit der Musik, nicht rein romantisch? Ist das Schicksal nicht einSohn der Nacht?

Mythologie und Geschichte, Feen- und Zanbermärchen, Schlachtenund Trinmphzüge, Donnerwetter und Schiffbrüche, Geister und wildeBestien, Götter, Menschen und seltene Ungeheuer, die keine Naturge-schichte kennt, wechseln mit einander. Die Feldschlachtcn werden ge-liefert von ein paar Dutzend Micthsoldatcn, die den Komödianten-general selten verstehen, und lachen, wenn sie unter Bivliutvneu mitihren hölzernen Schwertern auf die Schilde von Pappendeckel schlagen.Dort fliegt einer durch die Luft an einem Strick, dort stürzt ein an-derer von einem Felsen sechs Fuß hoch oder wandelt durch Flammenund Meereswogen, dort erdolcht sich einer trillernd, und dort singtder Herr dem Diener seine Befehle, oder der Freund dem Freundesein Geheimniß zu, und die ernste Rathsversammlung berathschlagtsich in lauter Gesängen. Der ernste Cato singt seine Rede an dasVolk, der Eilbote, der viel von Gefahr auf Verzug gesprochen hat,hustet, stellt sich vors Parterre und gurgelt eine Arie. Alexander, aufden Mauern einer Stadt, gibt den Belagerten völlig den Rücken preis;denn er hat dem Publikum von der Leiter eine Arie zu trillern, undseine Armee muß warten, bis er ausgetrillert hat. Sollte man nichtglauben, wir wären in Sina oder Japan?

Metastasio mußte in seinen Cato einen Licbeshandcl einmischen,weil die besten Sängerinnen sich hören lassen wollten, und so sangdenn die Wittwe des Pompesus und Marcia, die Tochter Cato's aller-liebst; in höchster Eile wird noch eine Arie gesungen und dieselbenWorte fünf bis sechsmal wiederholt in vollkommener Weile, in Passa-gen, Läufen und Kadenzen. Welchen dramatischen oder lyrischen Ein-druck macht nicht eine speisende Operngescllschaft, die da singt: „Mirschmeckt der Wein! vortrefflich ist der Braten, noch besser ist die Brühe!"und erst wenn in der ernsten Oper der Held den Himmel zum Zeugenseines Selbstmords nimmt, und der Chorus singt: „Gebt Acht, erwird sich jetzt erstechen!" und gar aus dem Parterre ein Dacapo er-schallt! Nirgendswo mehr, als in der Oper, muß man mit Horazausrufen:

Demoki'itoS. IX.

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