106
Reisende ist eine von Gott gesandte Beute, wie jedes gestrandete Schiff,und sie glauben schon viel gethan zu haben, wenn sie dem Unglück-lichen das Leben lassen und die Augen zum Weinen; Spanier abermüssen sterben als alte Erbfeinde.
Wir kennen dieses weite Land noch znr Zeit sehr wenig, Barcaund Siwah, Fessan und Tafilet, wissen aber, daß sich hier die Trüm-mer vieler zerstörten Städte finden und auch der berühmte Ainmons-tempel, dessen nähere Untersuchung unsern Hornemann der Karavaneals Christen verdächtig machte. Die schwarzen Stämme, die nochkeine eigentlichen Neger und Mahomcdaner sind, in den bewohnterenPlätzen (Oasen) der ungeheuren Wüste, die Tibbo und Tuarik, dieFessancr, die Holländer Afrika's, die von Burnu, Hausse, und Caschnaund selbst Timbuktu, dem Lande der Antilopen und Strauße, noma-disiren hier unabhängig unter eigenen Oberhäuptern, bis an denNiger, und tauschen ihre geringen Bedürfnisse gegen ihre Landespro-dukte, vorzüglich Salz, höchst wichtig für das Innere Afrika's, ein.Die Dattelpalme ist ihr Brodbaum, und von einem Reichen sagensie: „Er ißt alle Tage Brod und Fleisch!"
Im Westen Nordafrika's liegen noch die Canarischen Inseln,das Madeira der Portugiesen, mit hunderttausend Seelen, und dieeigentlichen Canarien, die den Spaniern gehören. Hier mögen unge-fähr 200,000 Menschen leben, und dazu einige Dutzend Klöster; aberdie Ureinwohner, die Guanchen, leben nur noch in Mumien in ihrenTodtenhöhlen. Das herrliche Klima, die köstlichen Weine und treff-lichen Südfrüchte geben diesen Inseln mit ihrem Pic mit Recht denNamen „Glückliche Inseln." Die Canarien, unbedeutend der Größenach, sind herrliche Ersrischuugsplätze; sie sind Ueberreste eines großenversunkenen Landes, wahrscheinlich der alten Atlantis, und Jeder, derCanarienvögel hat, sollte wenigstens St. Vincents Reise nach denCanarien gelesen haben. Spanier rotteten die wackeren Ureinwohneraus gegen schlechte Christen und Klöster. Die herrlichen Inseln hör-ten auf, die glücklichen Inseln zu sein. — Auf den Azoren, nenn nichtunfruchtbaren Inseln, mögen etwa hunderttausend Menschen leben,Portugiesen, Mönche und Nonnen.
Aegypten im Osten von Nordafrika kann uns aber noch mehrbeschäftigen, dieses in der Geschichte hochbcrühmte, unsere Phantasieeinnehmende, nun aber zu drei bis vier Millionen zusammengeschrumpfte,in tiefe Unwissenheit, Schmutz und selbst Unnatur und Bestialität ver-sunkene Volk in dem schlammigen Nilthale unter einem türkischen