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Aerzte, wie noch heute Indien, weil man pythagoräisch lebte. DasVorurtheil der Unverletzbarkeit der Todten, das nur die Anatomie derThiere erlaubte, stand lange gründlichem Wissen entgegen. Wer kanntedamals Rolfinke,* die für Anatomen Frischbegrabene des Nachtsstahlen? Mönche hätten viel thun können und gethan, wenn manihnen nicht die Arzneikunst hätte verbieten müssen wegen ihrer Gifte,und Luther hätte heilig Mäusepulver bekommen. Manche heilten aberwirklich aus christlicher Liebe unentgeltlich, und Kosmus und Damia-nus sind mit Recht die Schutzheiligen der Aerzte. Man kann lächelnüber viele Fürstinnen, Gräfinnen und Edeldamen auf dem Lande,die noch im vorigen Jahrhunderte ihre Hausapothekchen hatten, umKranken unentgeltlich Hülfe zu leisten; es kann viel Quacksalberei mituntergelanfen sein, aber die Sitte war fromm und schön; wer denktjetzt an Nothlcidcnde und Kranke? Die Aerzte verklagten einen ge-wissen uralten, liebenswürdigen Grafen, daß er sich in ihre Praxiseinmische, und sein Rechtsfrennd erwiderte: „Der Herr Graf machennichts weniger als den Doktor, denn erstens kurire er die Krankenwirklich, die sich an ihn wendeten, und dann lasse er sich weder fürMühe noch Arznei einen Heller zahlen."
Bedenklich bleibt es immer, daß unter allen Gelehrten die Aerzteam wenigsten übereinstimmen, und da kann es wirklich Fälle geben,wo es gut ist, dem Pulsfühlenden Arzt auf sein freundliches: „Nu,das geht ja trefflich, ich merke, Sie sind meinen Vorschriften gefolgt,"sagen zu können: „Ja, da hätte ich den Hals gebrochen; da unter denFenstern liegt Vorschrift und Arznei." Welcher Ketzer! Da war jenerBürgermeister ein anderer Mann; er zählte jede Minute bis zur vor-geschriebenen Einnahme seiner Essenz, dann jeden Tropfen; aber derArchiatros lohnte ihm auch, gerührt klopfte er ihm auf die Schulter,und sprach mit dem Ernst und der Würde der ganzen Fakultät:„Walrlich, Sie sind werth, krank zu sein!"
Die Schule von Salerno lehrte: l?ost eosnam stadis ant psssnsmilts lueabis;^ aber jedes Vieh lehrt, daß nach dem Futter Ruhe dasBeste sei, und in Brustbeschwerden übertrifft kein Doktor den Esel.Kranke gleichen ihm auch recht oft; steckt ihm glühenden Zunder unterden Schwanz, so drückt er denselben nur stärker an den Leib, statt ihnaufzuheben, wodurch der Zunder zur Erde fiele, und er keinen Doktorbrauchte. Hunderten geht es, wie dem Weib im Evangelio mit einem
> Nach dem Anatomen Rolfin! genannt. — 2 Nach dem Essen mußt du stehenoder tausend Schritte gehen.