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schlafen bei seinen noch so heilsamen abgcgurgelten Lehren. AngehendenWächtern pflegt es Kummer zu machen, daß sie bei ihrem „Hört, ihrHerren," die Frauen nicht mit einschließen dürfen, die doch in derRegel fast mehr thun, wenigstens mehr hören, als die Herren; wennsie aber nur eine Zeitlang im Amte sind, so gibt sich auch diese Be-denklichkeit, sie legen zuletzt noch einen besonderen Nachdruck auf dieWorte: „ihr Herren, laßt euch sagen," schlafen nicht immer, wo kleineVortheile zu machen sind, denken gerade nicht immer an die Sicher-heit der Nacht, sondern auch an Familie, Vettern und Basen, unddoch haben alle diese Leute nicht studirt. Wenn sie erst studirt undzuvor praktizirt hätten!
Nachtwächter sind wichtigere Männer, als Viele denken mögen; sieverwalten ein ihnen und oft auch den Schlafenden höchst verdrießlichesAmt — beati non lluinvrant llorss, ^ und wie viele Nachtwächterschlafen auch am Tage, wenn sie die Nacht durchwacht haben? DerNachtwächter hat mich mehr, als die besten Moralisten, schon zu ern-sten melancholisch-süßen Betrachtungen gebracht; was verkündet besserdie Flucht der Zeit, die Veränderlichkeit aller Dinge, das Gute derStille und Einsamkeit, die Gemnthsruhe, wozu schon die Nacht selbsteinladet, als das hohle Horn und die hohle Baßstimme des Mannesder Nacht. Er ist mehr als ein Leichenzug und eine Grabrede, welche— frühe und stille Leichen am Morgen mitgerechnet — die Wenigstensehen oder hören; ihn müssen alle Einwohner hören. Und wie wärees, wenn man ihnen gar noch neuere, bessere Verse unterlegte? DasNachtwächterlied des Stundenrufers von Ternate ist wohl den meistenLesern bekannt; es athmet einen ganz verschiedenen Geist, und hatorientalischen Schwung:
Llaris, äss eito^svs L. la xatris,
Lla^!strat vous en xris. ^
Die Nachtwächter waren gewohnt, Heiliges und Profanes untereinander zu mischen; es war ihnen ja vorgeschrieben, und Nachtwächter,die Nächte durchwachen müssen und deren Gebiet die Nacht ist, könnensich nicht ums Denken kümmern. Die Bühne des Mittelalters sogarvermischte ohne Arges Heiliges und Profanes; wie will man es demKlosterschreiner verargen, wenn er dem Herrn Prälaten nachstehendeRechnung für Kirchenreparatur einreichte:
l Die Glücklichen zahlen die Stunden nicht.
e Maria, gib Kinder du dem Staat,
Es bittet drum der Magistrat.