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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Thorheit vorzunehmen, als im Mantel der Weisheit vorzutreten undzu reden oder zu schreiben. Das Glück ist der Narrenvormund undViele sind sogar nach ihrem Tode noch Heilige geworden! Und werumarmte nicht lieber hundert Narren als einen Schurken?

Es gibt vier Gattungen glücklicher Menschen: Betrunkene, Ver-liebte und junge Leute ; aber ihr Glück zerfließt, wie die Nebelwolken,die der herumgeworfene Seefahrer für Land gehalten hat, nur dievierte Gattung ist bleibend glücklich — die Narren. Aber gar viel kommthier darauf an, zu welcher Zeit und unter welchen Umständen dieNarren auftreten. Johannes Scotus, der Philosoph des neuntenJahrhunderts, durfte sich am Hofe und an der Tafel Karls des Kahlendie freiesten Scherze erlauben, und dem Könige gegenüber auf dieFrage: „Welcher Unterschied ist zwischen Scot undSot?" antworten:„Nichts als die Tafel." Der heilige Franz und der heilige Jgnatiuswaren Narren zum Anbinden; aber ihre Narrheit paßte in ihre Zeit,und so bekamen sie Altäre. In einem Klima gedeihen sie wiederbesser, als in dem andern; in freien Verfassungen laufen viele Narrenfrei herum, die in Monarchien mit Ketten rasseln, wo nicht geradeHeinriche IV. sind. Als der edle Minister Snlly seines verliebtenKönigs Heirathsversprschen an lladriols ä'Lstrsso zerriß, rief Heinrichvoll Zorn: „Bist du ein Narr?" und Sully entgegnete: „Ja, undwollte Gott, daß ich der einzige in Frankreich wäre." Ich möchtedies nicht sagen, selbst nicht in unsern constitutionellen Monarchien.

Zur Zeit der Hofnarren war man am sichersten unter dem Pri-vilegium des Narren, wenn man gerne Wahrheiten sagte; war esauch zuwider, so kam man ab mit den Worten: „Der Kerl ist einNarr!" Solches wußte schon David, als er vor Saul stand, undauch Brutus unter Tarquin; sie galten für Lustigmacher, aber ihreNarrenstücke enthielten reines Gold. Dummköpfe werden in der Regelnie Narren; selbst Narren und Wahnsinnige haben oft in ihren Exal-tationen Ideen, die an das Erhabene grenzen, und zwischen Narrheitund Genie ist die Grenze noch heute nicht ausgemacht. Eine Samm-lung Narrensprüche von den Wänden der Irrenhäuser müßte einesder genialsten Werke geben. Wir finden auch in der Thierwelt soge-nannte Narren; Menschennarren beweisen uns, daß Verstand dasschönste Geschenk der Natur sei; Thiernarren aber, daß Thiere auchVerstand haben, was so viele philosophische Narren nicht zugebenwollen. Wir haben unter Pferden, Hunden, Katzen rc. Narren; wirwürden sie auch unter andern Thieren finden, wenn wir sie so genau