133
man bedenkt, daß er zu Lüneville einst des S. Hieronymus Receptgegen Anfechtung des Fleisches zu sich nahm — Schierlingssaft, das ihnschneller als Liebe an den Rand des Abgrunds brachte, und fastete,wenn auch nicht wie der Einsiedler, der einst nach Christi Beispielvierzig Tage in der Wüste fastete, dann in den Beichtstuhl kam undein Beichtkind mit dem Messer niederstieß, denn das Fasten hatte ihnwahnsinnig gemacht. Die ländliche Naivetät, die er auch vierzig Jahrelang am Hofe beibehielt, contrastirte mit dem Hofton, und so läßt sicherklären, wie er so beliebt war; Kaiser Franz theilte auch mit ihmnoch die große Vorliebe für Antiquitäten und alte und neue Münzen,die Duvals Hauptstudium machten. Unter solchen Verhältnissen in-teressiren seine Werke, und seine Briefe an seine schöne Russin Bihi,die hie und da scherzhaft sind, mich wenigstens weit mehr, als die soberühmte Korrespondenz der Madame Scvigns mit ihrer Tochter.
Werden es Deutsche je an deutschen Höfen so weit bringen, alsdie bisher genannten Franzosen es brachten? Warum nicht, sobaldsie mit deutschem Ernst und solidem Wissen Witz und Laune zu ver-binden wissen, die sehr gut nebeneinander bestehen können, vor allenDingen aber feinere Sitten, und diese entstehen aus Verbindung derMenschenwelt mit der Bücherwelt. Ich weiß nicht, ob das sogenannteNarrengericht zu Grosselfingen unweit Balingen noch besteht, wo dieEinwohner jedem Fremden die Wahrheit ins Gesicht sagen oder eineStrafe auslegen konnten. Wäre es nicht besser, wenn man einmal imJahre wenigstens solche auch Einheimischen sagen dürste? Aber solcheNarren lebten nur in alter Zeit, und es wäre die größte Narrheit,Narren kurircn zu wollen. ^ guarir nn xrmrio, os ns vuol nno sme^o. ' Wenn man sich so recht im großen Narrenhause umgesehenund Narren und Schurken getroffen hat, sagt man lieber in seinerEinsamkeit mit Schillers Talbot:
Verflucht sei, wer sein Leben an daS GroßeUnd Würd'ge wendet, und bedachte PlaneMit Weisem Geist entwirft! Dem NarrenkönigGehört die Welt!
> Um einen Narren zu heilen, sind anderthalb nöthig.