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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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vollkommen war, wenn der Esel, der neben dem Altare stand, gelegent-lich seine Originalstimnie einfallen ließ. Man war so sehr an dieVermischung des Heiligen mit dem Profanen gewöhnt, daß man ineiner Pariser Kirche das Wort Alleluja, das von Fasten bis Osternnicht mehr gesungen werden durfte, auf einen Kreisel schrieb und amSonntage Septuagesimä solchen aus der Kirche peitschte. DomherrBouteille zu Evreux hatte 1270 kein Arges dabei, eine Seelenmesse zustiften mit der Bedingung, daß im Chor jedesmal ein Leichentuch aus-gebreitet, mit Weinflaschen besetzt, und diese von den Chorsängern zuseinem Gedächtniß geleert werden sollen. Man setzte so lange volleFlaschen an die Stelle der leeren, bis die Sänger gleich ihrem ver-storbenen Mitbruder Bouteille selig begraben wurden im Bette.

Die berühmte Maskerade am Frohnleichnamsfest zu Aix dauertenoch lange nach der Reformation fort; man sah da einen König, dervon zwölf Teufelsimasken mit Gabeln und Haken gestupst wurde, dieer mit seinem Scepter abzuwehren suchte, die Masken machten sichsodann an einen Engel und an ein Kind, welches die Seele vorstellensollte, die der Engel schützte; sodann erschienen Moses, die Hohe-priester und Juden mit dem goldenen Kalbe, die drei Könige aus demMorgeularide mit dem Sterne, HerodeS und die Kinder von Bethle-hem, Simson und Johannes der Täufer, Christus mit den Apostelnund der große Christoph. Alles tanzte und sprang, und zum Beschlußkam ein Kerl im Leichentuch, das Stundenglas auf dem Kopf und dieSense in der Hand. Diese Maskerade spielte noch vor der Revolu-tion alle Jahre zu Aix, und zu Marseille die Prozession der heiligenMagdalena, wobei immer einige der schönsten Mädchen die Büßerinvon St. Beaume vorstellten, ganz nackt am Obcrleibe, der von schönen,langen Haaren mehr beschattet als bedeckt war, der Unterleib aber warin grobe Leinwand gehüllt, so wie die Kunst die heilige Büßerin vor-zustellen pflegt. Diese Büßerinnen gaben nun Anlaß zu weit größerenSünden. Nebenbei stellte man noch die Flucht nach Aegypten vor,wo die Rolle Josephs in der Regel von Dummköpfen gespielt wurde.

In Deutschland war unter den Fastnachtsgebränchen das soge-nannte Schönbarts- (d. h. Masken) Laufen zu Nürnberg das berühm-teste Vergnügen, das erst 1539 wegen gar zu vieler Ausschweifungenabgestellt wurde. Noch bewahren viele Familien dergleichen Büchermit den gemalten Masken und mit den Namen derer, die sie trugen;nur gewisse Zünfte hatten das Vorrecht, und andere, die es nachthunwollten, mußten sich abfinden für sechs bis zwanzig Gulden. Am