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dergleichen und die Eitelkeit reicher „Wohlthäter" ließ sich öffentlich lob-hudeln. Auch eine Suppenanstalt ward gegründet und Tausende meldetensich, als in den Vorstädten Suppe und Brot vertheilt wurde. Die hun-gernden Arbeiter nahmen diese Gaben der Wohlthätigkeit, die dem Elendim Ganzen nicht zu steuern vermochten, äußerlich dankbar, aber mit inneremGroll entgegen. Die gnädige, Almosen spendende Herablassung ließ nureinen Schimmer von Klassenbewußtsein in ihnen aufdämmern. Sie hattendie Natur des kapitalistischen Produktionsprozesses noch nicht erkannt undrichteten eine unbestimmte Erbitterung gegen den Staat, der sie wieSklaven behandelte, gegen die Brotherren, die sie so schlecht bezahlten,gegen die ganze Gesellschaft, die sie als Auswurf ansah und doch nurdurch die Kräfte ihrer Arbeit existiren konnte, gegen alles Bestehende, weilsie selber nicht bestehen konnten. Sie hatten noch nicht die Einsicht indie ökonomischen Zustände gewonnen und sich feste Ziele gesteckt, wieein großer Theil der rheinischen Arbeiter, die von hervorragenden Sozia-listen belehrt und in Bewegung gebracht worden waren.
Wir haben diese Verhältnisse so ausführlich geschildert, weil sie aufden Verlauf der Bewegung von so bedeutendem Einfluß gewesen sind.Die Proletarier schlugen die Barrikadenschlachten der Revolution undgaben der ganzen Bewegung ihre innere Kraft. Sobald aber das liberaleBürgerthum, dem sich im ersten Augenblick die des hinreichenden Klassen-bewußtseins ermangelnden Arbeiter angeschlossen hatten, sich am Zielesah, nahm es den Preis des Sieges für sich allein in Anspruch. DieBourgeoisie verbündete sich sofort mit den besiegten Gewalten, um die„Ordnung" und das „Eigenthum" zu erhalten. In Wahrheit hieß diesdas Proletariat niederhalten und um den Siegespreis prellen. DieBourgeoisie benutzte den Sieg nur, um ihre Klassenherrschaft zu befestigen.Aber indem sie überall das Proletariat niederwarf, durchschnitt sie denNerv der Revolution selbst und stärkte die reaktionären Gewalten, so daßdiese auch der Bourgeoisie und dem Liberalismus die Errungenschaftender Bewegung fast ganz wieder entreißen konnten. Die Strafe war ver-dient für den allezeit heuchlerischen Liberalismus, der die Arbeiter erstals Kanonenfutter benutzt und sie dann mit Hinterlist und Brutalitätin die alten Fesseln geschlagen hatte.
Aber außer dem industriellen und gewerblichen Proletariat gab esnoch ein Element, das der Bewegung vom Frühling 1848 zu ihremwelterschütternden Aufschwung seine Kraft lieh. Wir meinen die bäuer-liche Bevölkerung. Der Bauer war in jener Zeit keineswegs andersgeartet, als sonst. Aber die ganze ländliche Bevölkerung lebte in sehrgedrückten, schier unerträglichen Verhältnissen. Als die revolutionäre