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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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Bundestag unheimlich ward vor dem Brausen und Tosen des entfesseltenVolksgeistes; der blasse Schrecken fuhr unter dieMumiensammlung" inder großen Eschenheimer Gasse. Schon am 1. März 1848 erschien eineProklamation des Bundestages, in welcher dem deutschen Volke eineReihe von allgemeinen Versprechungen gemacht und auch gesagt war:

Deutschland wird und muß auf die Stufe gehoben werden, die ihmunter den Nationen Europas gebührt."

Dann sprach der Bundestag vongesetzlichem Fortschritt" undein-heitlicher Entwickelung." Boshafte Leute fragten, warum denn der Bundestagnicht schon vor dreißig Jahren zu dieser Ueberzeugung gekommen sei; dieMasse kümmerte sich um dieMumien" gar nicht, sondern war bestrebt,ihre Wünsche und Forderungen selber bei den Beherrschern der vierzigdeutschen Vaterländer durchzusetzen.

Das kleine Baden, durch Lage, Verfassung und das Temperamentseiner Bewohner längst zu reicherem politischen Leben erweckt, ging in denMärzstürmen dem Westen und Südwesten Deutschlands voran. Schonam 27. Februar trat zu Mannheim eine große Bürgerversammlung zu-sammen, die einen sehr revolutionären Charakter trug und welcher deralte Jtzstein präsidirte. Match), der noch vier Tage zuvor in der Kammergesagt hatte, die Deutschen müßten es nun auch einmalmit der Wild-heit versuchen," und Bassermann suchten die Begeisterung zu dämpfenund sprachen nur von Besonnenheit. Die Bewegung schien ihnen schonden Rahmen zu überschreiten, in den der Liberalismus den AufschwungDeutschlands bannen wollte. Aber die demokratische Strömung in derVersammlung siegte und man beschloß, eineSturmpetition" durch vier-hundert Mannheimer Bürger nach Karlsruhe an die zweite Kammer zubringen. Die Sturmpetition sprach von Wohlstand, Bildung und Freiheitfür alle Klassen eine bekannte Phrase Struve's! stellte aber anpositiven Forderungen nur: Volksbewaffnung, Preßfreiheit, Schwurgerichteund deutsches Parlament!

In der Kammer, wo die Petition von Hecker und anderen radikalenAbgeordneten kräftig unterstützt wurde, gab die Regierung zuerst nur Ver-sprechungen ab. Aber am 1. März strömte eine ungeheure Menschen-menge in Karlsruhe zusammen und man hörte in den Gasthäusern dieserdamals so spießbürgerlichen Stadt den Ruf erschallen:Es lebe dieRepublik!" Bei der Masse dominirten die Anschauungen von Hecker undStruve und unter dem Eindruck der großen Bewegung stimmte die Kammereiner neuen Petition zu, die das im Jahre 1847 zu Offenburg beschlosseneradikale Programm enthielt und in der außer von einem aus allgemeinemWahlrecht hervorgehenden deutschen Parlament auch vonAbschaffung