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zusammen. Das Militär rückte an, aber es kam zu keinem Kampfe, denndie Offiziere vermieden jeden Zusammenstoß. Der König erschrak undgab nun etwas nach. Die Stände sollten am 16. März zusammentreten.Aber man war damit nicht zufrieden; die Tumulte dauerten fort, währendaus allen Theilen des Landes Sturmpetitionen mit den bekannten For-derungen einliefen. Am 6. März hieß es wieder, es solle auf das Volkgeschossen werden; wieder sammelten sich die Mafien bewaffnet in denStraßen. Sie trugen theilweise ganz alterthümliche Waffen, Keulen, Spieße,Hellebarden und Flammberge, die sie aus dem Zeughaus genommen hatten.
Ludwig versprach nun, das Militär auf die Verfassung vereidigenzu lassen, und nachdem dies geschehen, trat einige Ruhe ein. Aber am8. März lief das Gerücht um, Lola sei wieder da; man wollte sie inMannskleidern gesehen haben. In der That hatte sie mit dem Königeine Unterredung gehabt. Die von den Jesuiten am Schnürchen gezogenenHofbräu-Revolutionäre strömten sofort wieder auf die Straßen und regtendie Massen auf; Lola konnte nicht gefunden werden. Die Bewegungstand nicht still, auch nicht, nachdem an Stelle des verhaßten Berks derAbgeordnete Thon-Dittmer, ein Führer der liberalen Partei, als März-minister berufen worden. Daraus ist leicht zu erkennen, daß die kirchlicheReaktionspartei die Hand im Spiele hatte. Namentlich am 16. und18. März standen sich Volk und Militär drohend gegenüber; das Polizei-gebäude wurde gestürmt und die Akten zerrissen. Ludwig ließ Lola nunfallen und die Polizeibehörden wurden angewiesen, auf „besagte Gräfin,"die sich längst außerhalb des Landes befand, zu fahnden. Man munkelte,die kirchlich-reaktionäre Partei wolle einen Handstreich oder ein Gemetzelherbeiführen, um die Abdankung des Königs zu erzwingen. Ludwigkonnte also nur noch auf die zweifelhafte Loyalität der Liberalen rechnen,die er aber erst durch Bewilligung der bekannten „Forderungen desVolkes" sich hätte sichern müssen. Dies war so wenig nach seinem Ge-schmack, als eine Jesuitenregierung, und im Gefühl seiner Verlassenheitdankte er von selbst ab am 20. März 1848 und es folgte ihm sein SohnMaximilian II. Das aus März-Liberalen und vormärzlichen Reaktionärenzusammengesetzte Ministerium verwirklichte einen Theil der bekanntenVolksforderungen und erließ Verfügungen über Preßfreiheit, Oeffentlich-keit des Gerichtsverfahrens, Ablösung der Feudallasten, Ministerverant-wortlichkeit u. s. w. Daraufhin kehrten die Münchener beruhigt zu ihrenBierkrügen zurück in dem Bewußtsein, einen König gestürzt und die„bürgerliche Freiheit" errungen zu haben.
In seiner Proklamation „Königliche Worte an die Bayern" sagteLudwig: „Treu der Verfassung regierte ich, dem Wohle des Volkes war