Buch 
Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
Entstehung
Seite
239
JPEG-Download
 

239

wurde, die ungarischen Ministerien der Finanzen und des Kriegs solltenmit Oesterreich vereinigt bleiben, d. h. die Ungarn sollten Truppen undGeld an Oesterreich geben. Der Sturm, der sich darüber auf dem Preß-burger Reichstage und im Lande ringsum erhob, bestimmte den Palatinusvon Ungarn, Erzherzog Stefan, sich für die Zurücknahme dieser Bestimmungin Wien zu verwenden. Sie wurde in der That zurückgenommen undman sprach in Wien dieHoffnung" aus, die ungarischen Stände würdendie Verwendung ungarischer Truppen in Italien gestatten und auch denvierten Theil aller Ausgaben des gesammten Kaiserstaats übernehmen.Die Ungarn waren damit zufrieden. Ihre Staatsmänner hofften auf diesemWege die dominirende Macht im 'Kaiserstaate zu werden und die Selb-ständigkeit Ungarns unwandelbar zu begründen. Sie glaubten schlauerzu sein, als die Hof-Kamarilla in Wien, indem sie so operirten. Dabeiließen sie sich von ihrem National-Egoismus so sehr beherrschen, daß sieschließlich alle ihre Errungenschaften wieder einbüßten.

Wenn die Magyaren der Wiener Regierung im Augenblick wenigerSorge machten, umsomehr Bedrängniß schuf ihr die deutsche Bewegungin Oesterreich und namentlich in Wien selbst. Das Land war in all-gemeiner und unaufhörlicher Aufregung und die Staatsmänner, die anMetternich's Stelle getreten waren, mußten ihrer Sehnsucht nach einerRückkehr der vormärzlichen Zustände die strengsten Zügel anlegen. Alsein unvorsichtiger Artikel der amtlichenWiener Zeitung" verrieth, daßdie Regierung sich die Zustimmung zu den Beschlüssen des FrankfurterParlamentes vorbehalte, obschon sie bereits die Wahlen angeordnet hatte,da fiel es endlich den Wienern wie Schuppen von den Augen und siesahen, daß in der neuen Regierung fast nur Leute aus Djetternich'sSchule saßen. Die Kolowrat, Taaffe, Kübeck und Ficquelmont warenkeine Männer der Zeit, auch Pillersdorf nicht. Der Letztere hatte zwarimmer gegen das Unterdrückungsspstem Metternich's Front gemacht, alleinnun erließ er selber am 31. März ein reaktionäres Preßgesetz, in welchemnamentlich auf Majestätsbeleidigung hohe Strafen gesetzt waren. Dasbrachte die Aula, d. h. die Universität, die gesammte Studentenschaft inErregung; die Wiener ließen sich ihre junge Preßfreiheit nicht nehmen undhoch auf schäumten die Wogen der Entrüstung. Der bekannte freireligiöseSchriftsteller Franz Schuselka, später Mitglied des österreichischen Reichs-tages, sagte:Ich kann nicht anders meinen, als man will mit diesemGesetz uns in den April schicken!" Pillersdorf sah sich genöthigt, denEntwurf wieder zurückzunehmen.

Die Presse machte selbstverständlich den Ministern und allen Re-aktionären die größten Kopfschmerzen. Vor den Märztagen hatte es gar