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Herr von Radowitz, der schlaue Freund der Jesuiten, faßte die Sachesehr geschickt au. „Niemand ist reaktionär in dieser Versamm-lung," begann er. Er sprach von den Mangeln des alten Polizeistaatsund meinte: „Richten Sie uns nach unseren Handlungen; dasselbesagen wir Jedem von Ihnen zu!" Damit gewann er sogar einenTheil der Linken für sich. Dann aber empfahl er die Ernennung derZentralgewalt durch die Fürsten und begründete dies damit, daß er be-hauptete, die Fürsten würden Niemand ernennen, der nicht des allgemeinenAnklanges sicher wäre. „Wie die Dinge jetzt stehen, würde sich jedeRegierung ihr eigenes Grab graben, und den Selbsterhaltungstrieb werdenSie doch jeder Regierung zugestehen müssen."
Man wußte um diese Zeit schon recht gut, daß sich die Regierungenund verschiedene Staatsmänner im Parlament über den Erzherzog Johannverständigt hatten. Aber Radowitz fügte noch hinzu, daß es eine grobeThorheit sei, anzunehmen, in einer solchen Zeit könnten sich noch irgend welchePartikularinteressen geltend machen, und dann erreichte er die Vollendungseines Blendwerks mit den Worten: „Wenn die Nationalversammlung diesRecht den Regierungen überträgt, so überträgt sie es lediglich den ein-zelnen deutschen Völkern, die hierbei durch ihre Regierungen vertretensind." — Dieser Appell an den beschränkten Unterthanenverstand war beiden Konstitutionellen selbstverständlich von größerer Wirkung, als derAppell von Zitz an ihren Muth.
Arnold Rüge, der Republikaner, sprach: „Jede Gewalt ist einefremde, die sich nicht in diesem Saale befindet. Hier ist die deutscheNation. Wenn wir Hinausgreifen, so wird aus der deutschen Nationhinausgegriffen." Man hörte ein höhnisches Lachen; es kam vonLichnowskp. Rüge gerieth in Zorn und rief: „Das ist nicht lächerlich;Dem, der da lacht, Dem sehe ich die kuoiso UiMoorutüoa*) an; dieZukunft wird über ihn richten. Dies Hohngelächter ist ein Gelächterdes Todeskrampfes."**)
Herr von Saucken-Tarputschen wiederholte, was Radowitz gesagt,nur weniger geschickt; Moritz Mohl aus Stuttgart wollte dem Elend derArbeiter durch Schutzzölle ein Ende machen, ein Phantom, das ihn seinganzes Leben hindurch genarrt hat. Während der reaktionäre Geschicht-schreiber Waitz aus Göttingen den Reichsverweser von den Fürsten be-zeichnet wissen wollte, trat der demokratische Geschichtschreiber Zimmer-
ei Gesichtsausdruck des Sterbenden.
**) Diese merkwürdige Prophezeiung ging furchtbar in Erfüllung; nichtganz drei Monate später fiel Lichnowskp als Opfer der Volksrache.