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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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manchmal mit lächerlicher Großthuerei auftraten und den deutschen Namenblamirten. In Frankfurt selbst sammelte sich um Johann ein Hof vonDiplomaten; ein preußischer, ein österreichischer, ein englischer, ein fran-zösischer, ein belgischer, ein niederländischer, ein nordamerikanischer, einneapolitanischer, ein sardinischer und sogar ein ungarischer Gesandterwaren da. Es lebte sich angenehm und interessant in Frankfurt unddiese Herren Diplomaten empfanden ein ganz pikantes Vergnügen dabei,den Untergang der deutschen Revolution in der Nähe mit anzusehen.

Während Schmerling, einer der gewandtesten Diplomaten der altenSchule und ein fanatischer Gegner der Demokratie, seine Intriguen spann,die Johann ausführen half, fuhren die Gagern und Genossen mit großenHoffnungen zum Kölner Dombaufest vom 15. August, wo der König vonPreußen und der Reichsverweser sich trafen. Gagern redete den Königvon Preußen an; der Vergleich des Kölner Domes mit der deutschenEinheit war von dem Präsidenten der Nationalversammlung nicht geradegut gewählt. Friedrich Wilhelm IV. antwortete auf die Ansprache desEdlen von Gagern:Seien Sie überzeugt, daß ich nie vergessen werde,welch ein großes Werk zu gründen Sie berufen sind, wie ich überzeugtbin, daß Sie nie vergessen werden, daß es in Deutschland Fürstengiebt und daß ich zu ihnen gehöre!"

Der König war hier weit offenherziger, als die konstitutionellen Nebel-wandler. Er gab in seinen Worten so deutlich als möglich zu verstehen, daßer sich das Verfassungswerk nur auf Grund einer Vereinbarung mit denFürsten verwirklicht denken könne, während die Gagern und Genossen diegrobe Täuschung von derSouveränität" der durch sie selbst aller Macht-mittel beraubten Versammlung aufrecht erhielten. Für jeden Denkendenwußte der Ausgang des Verfassungswerkes nunmehr leicht voraus-gehen sein. Der Niedergang des Parlaments und seiner Bedeutungvollzog sich rasch, unaufhaltsam; es hatte sein unheilvolles Geschick selbstheraufbeschworen.

Bei alledem war es interessant, dieses erste deutsche Parlament, undwrr wollen seine äußere Erscheinung beschreiben, wie sie einem Mitgliedder Linken*), das bis zur letzten Katastrophe in der Versammlung gesessen,stch eingeprägt hat. Wir lassen den Zeitgenossen ungestört reden, auchwo er uns zu überschwänglich wird und Leute mit seinem Wohlwollenbedenkt, die uns dessen nicht würdig erscheinen.

Seit der deutsche Name in der Welt genannt wurde," sagt derAugenzeuge,fand sich keine solche Fülle von berühmten und bekannten

') Dr- Wilhelm Zimmermann, Abgeordneter für Schwäbisch-Hall.

Blos. Deutsche Revolution. 19