315
hervor und in der Ferne ein verworrenes Lärmen, als ob die Fröscheeinen König ausriefen. Da ziehe ich denn auch die Stiefeln an, um mitdem Vaterland unterzugehen, wenn die Berliner es nicht halten könnten.Der Mond stand so trübe am Himmel, als ob er weinen wollte überdie verständige Hauptstadt. Plötzlich tritt mein Wirth herein, ich halteihn in der Angst bereits für blessirt und die Barrikade schon für verloren.„Ach, lieber Herr, bleiben Sie nur ruhig, das ist gar nichts, wieeine allnächtliche Katzenmusik." Nun, das muß ich sagen, dieBerliner verstehen sich auf Alles, aber das Vertrauen und die Geldmauszu locken, das verstehen sie nicht." —
Trotz seiner Philisterhaftigkeit charakterisirt dieser Brief treffend dieBürgerwehr, die einen förmlichen Nachtwächterdienst versah. Die Katzen-musiken waren, wie in Wien, damals auch in Berlin in der Mode. DerBürgerwehrkommandant, General von Aschoff, und der Polizeipräsident,sowie der Magistrat thaten, als ob durch diesen Unfug der Staat ausallen seinen Fugen gehen müsse.
Dazu eine andere Schilderung aus einem demokratischen Blatt:
„In unseren Ringmauern herrscht jetzt ein wunderbares Leben. Volks-versammlungen, Klubs, Vereine, Katzenmusiken, Bürgerwehr, fliegendeBuchhändler, abdankungsfähige Minister, polizeilich beschützte Volksführer,aufwiegelnde Ruhestister, revolutionäre Reaktionäre und konservative Revo-lutionäre, todte Geheimräthe, Wirkliche Geheime Kolporteure, uniformirtePolizisten, lebendige Karrikaturen der Freiheit und Gleichheit treiben ihrWesen so bunt durcheinander, daß den hochedlen Weißbierphilistern inlhren Zipfelmützen und Schlafröcken angst und bange zu Muthe ist. Nunist noch gar die Nationalversammlung dazu gekommen und hat den Lärnider Reden, Ständchen, Trommeln, Pfeifen, Knarren, Trompeten, Wald-teufel, der Vossischen Weherufe und Dudelsackspfeifereien, des Spener'schenSchnarchens und ähnlicher Gewächse so bedeutend vermehrt, daß Spontini'sOpern im Vergleiche damit himmlische Harmonie sind."
Die Agitationen von Braß und Anderen unter der Landwehr hatteneme Gegenagitation seitens der konservativen Offiziere hervorgerufen; mansprach von Landwehr-Verschwörungen. In einer Versammlung von Land-wehrmännern im Landwehrzeughause an der Potsdamer Kommunikationhielt der General von Webern folgende Ansprache: „Kameraden, wemhaben wir denn eigentlich die Revolution zu verdanken? Doch Niemandanders als den französischen und polnischen Emissären und den ver-dorbenen Literaten, die werth wären, daß sie Alle aufgehängt würden,^ch weiß wahrlich nicht, wie ich diese Schurken passend bezeichnen soll.
(Hier hielt der verehrte Redner inne und besann sich, dann fuhr er