321
des Vereinigten Landtages gewesen, ward zum Präsidenten, der JustizrathEsser aus Köln zum ersten, der Geheime Obertribunalsrath Waldeck ausBerlin zum zweiten Vizepräsidenten gewählt. Es regnete Anträge; unterAnderem brachte auch „der edelste aller Geheimräthe," Abegg, der frühere„liberale" Polizeipräsident von Königsberg, gleich den Antrag ein, dieVersammlung möge die Polizei- und Justizbehörden veranlassen, kräftigergegen den „Mißbrauch der Rede- und Assoziationsfreiheit" vorzugehen.Das war der Versammlung denn doch eine zu starke Zumuthung, sofortnach ihrem Zusammentritt und mitten in der Berathung der Feststellungder Märzerrungenschaften den. Polizeidiener und Nachtwächter zu machen;der Antrag Abegg's ward abgelehnt?) Nees von Esenbeck beantragte,„die Versammlung möge eine Kommission niedersetzen mit dem Auftrage,einen in ihrem Namen und von einem volksthümlichen Stand-punkte ausgehenden Verfassungsentwnrf vorzubereiten und zugleichurit dem vvm königlichen Ministerium vorgelegien in Berathung zustehen." — Auch ein Denkmal für die Märzkämpfer ward beantragt.
Während die Versammlung recht unsicher umhertappte, machte dieLinke den Versuch, die Versammlung zu bewegen, daß sie ihre staats-rechtliche Stellung klar begründe und sich für eine konstituirende erkläre.Indem der Abgeordnete Otto verlangte, die Versammlung möge in ihrerGeschäftsordnung feststellen, daß sie seitens der Regierung oder der Kronesilcht aufgelöst werden könne, wollte er das Vereinbarungs-Prinzip ent-kernen. Camphausen erhob sich gegen diesen Antrag und die Mehrheitstimmte ihm zu. Indem sie den Otto'schen Antrag ablehnte, hatte sie dasVereinbarungs-Prinzip thatsächlich anerkannt und hatte damit selber derLegierung das Recht zugestanden, sich gegen die Arbeiten und Beschlüsseder Versammlung gegebenen Falls ablehnend zu verhalten. Am Tagepuch dieser Niederlage erlitt die Linke eine neue, als sie den AntragDuncker's, auf die Thronrede eine Adresse als Antwort zu erlassen, ohneErfolg bekämpfte. Ein Mitglied der Linken bemerkte, die That sei diebeste Adresse, worauf der Minister Hansemann erwiderte, eine Adressefki eine That. Eine große Mehrheit beschloß die Adresse, welche vondem Ministerium nachdrücklich gefordert worden war.
Die Versammlung, statt sich mit aller Energie auf die Berathungder Verfassung zu verlegen, befaßte sich mit einer Menge von unter-geordneten Angelegenheiten und verlor ihre Zeit. Der Abgeordnete Brill,
Abegg starb bald daraus und wie in
dw Fortschritte der Reaktion. Die so von rhm daAew h >
der Berliner Vereinbarungs-Versammlung wohl nicht v sBlos. Deutsche Revolution.
21