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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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sich mit den Schwarzgelben zusammen, eine Verbindung, die wieder mitden Czechen gemeinsam operirte, sobald sich die Habsburgische Politikentschieden hatte, sich auf die Slaven zu stützen. Rieger und Palazkywaren die Leiter der Czechen im Reichstag und alle diese reaktionärenElemente zusammen bildeten einen Wall gegen die deutsche und demo-kratische Linke. Auf der Linken, wo Schuselka, Fischhos, Goldmark undLöhner saßen, war viel guter Wille vorhanden, aber wenig staatsmännischeBefähigung und auch nicht viel Energie.

Die Verhandlungen litten sehr unter der Sprachverwirrung, denndie Vertreter der verschiedenen Völkerschaften verstanden sich vielfach nicht.Trotzdem schien sich die Versammlung Anfangs in ihren Bestrebungen ziemlicheinig zu sein, denn sie genehmigte das Programm des Ministeriums Wessen-berg, welches die Gleichberechtigung aller Nationalitäten verkündigte. Daßdies Programm nicht ernsthaft gemeint sein konnte, daran dachten vorläufigdie Volksvertreter nicht; sie beschlossen dagegen, den Kaiser Ferdinandzur Rückkehr nach Wien einzuladen. Nach einer recht langweiligen undkleinlichen Häkelei und Schwätzerei über die bei dieser Aktion innezuhaltendenFörmlichkeiten kam die Einladung zu Stande und Ferdinand folgte der-selben. Ob er auch gekommen wäre, wenn um diese Zeit nicht die Dingein Italien eine für Oesterreich so günstige Wendung genommen hätten,darf man wohl bezweifeln. Er nahm seinen Wohnsitz in dem Schlossezu Schönbrunn und sah von dort der weiteren Entwickelung derDinge zu, während die Camarilla ihre Fäden spann. Bezeichnend ist,daß die Kammerfrau der Kaiserin für das einflußreichste Mitglied derCamarilla galt.

Im Reichstage sah man diese Veränderung als eine große That an,während man damit eigentlich nur der Camarilla ihre Arbeit erleichterthatte. Wenn dieses Parlament sonach auch von den Fehlern desParlamentarismus so wenig frei war, als die beiden Versammlungenin Frankfurt und Berlin, so brachte es doch in diesen Tagen etwasBedeutendes zu Stande, indem es die Bauern aus den mittelalterlichenFesseln des Feudalverhältnisses löste. Hans Kudlich, ein junger, ebenvon der Universität gekommener Abgeordneter aus Oesterreichisch-Schlesien,beantragte, die Versammlung möge erklären:Von nun an ist dasUnterthänigkeitsverhältniß sammt allen daraus entspringenden Rechten undPflichten aufgehoben, vorbehaltlich der Bestimmungen, ob und wie eineEntschädigung zu leisten sei." Die Bauern, welche namentlich mitRobot, mit Hand- und Spanndiensten bedrückt waren, jubelten diesemAntrage zu und es schien den Ueberresten des Feudalismus dasselbeSchicksal in Oesterreich bevorzustehen, das ihnen in Frankreich in der