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sich ein Zentralkomits, in welches alle demokratischen Klubs und VereineDelegirte sandten*), und der demokratische Klub theilte Berlin in 22 Bezirkemit je einem Bezirksführer ein. Es ward behauptet, der Klub sei 3000 Mit-glieder stark, doch dürfte dies übertrieben sein. Die Maschinenbauer,sowie die von Born gebildeten Arbeiterorganisationen schlössen sich angesichtsder drohenden Reaktion enger an die Demokratie an.
Am 6. August sollten alle deutschen Truppen dem Reichsverweserhuldigen und diese Aktion, die so kläglich ins Wasser fiel, ward von denBerliner Demokraten als Anlaß zu einer großen Demonstration benutzt.Sie wollten damit nicht dem Reichsverweser ihre Sympathie ausdrücken,sondern die Demonstration sollte bedeuten, daß Preußen in Deutschlandaufzugehen habe. Am Opernhause sammelte sich ein ungeheurer Zug, der,wohl 20000 Köpfe stark, durch die Friedrichstraße und das Halle'sche Thornach dem Kreuzberge ging. Unterwegs wurden mehrfach schwarz-weißeFahnen abgenommen. Auf dem Kreuzberge war viel Landvolk zusammen-geströmt, das dort mit den Demokraten Skandal anfangen und dieDemonstration stören sollte. Vor der unabsehbaren Masse der Demokratenverliefen sich aber die reaktionären Elemente. An dem gußeisernen Denkmalauf dem Kreuzberge staute sich die Menge; Held kletterte auf das Denkmalund hielt eine Ansprache, worauf eine dreifarbige Fahne auf der Spitzedes Denkmals befestigt wurde. Die Fahne wurde von der Bürgerwehrwieder herabgenommen.
Die Katzenmusiken und die Kämpfe des Lindenklubs mit den Kon-stablern boten der demokratischen Masse eine unerschöpfliche Quelle derUnterhaltung, worüber ernstere Arbeiten versäumt wurden. Die Konstablerzeigten sich sehr brutal**), sie konnten aber mit der Masse nicht fertigwerden und so brach am 21. August wieder einer jener Krawalle aus,in denen die Berliner Demokratie ihre Kraft verpuffte. Der Anstoßwurde in Charlottenburg gegeben. In dieser Stadt, wo die Reaktionäredominirten, wohnten die als freigeistige und demokratische Schriftstellerbekannten Brüder Bruno und Edgar Bauer, die einen demokratischenVerein gründeten. Darüber wurden die Reaktionäre so erbost, daßsie eine Anzahl Lumpenproletarier anwarben, um die Demokraten zu
*) Dasselbe hielt seine Sitzungen in dem heute noch bestehenden Restaurantvon Waßmann in der Leipziger Straße.
**) Auch die Abgeordneten von Berg und Rodbertus — der bald wieder ausdem Kultusministerium geschieden war — wurden von den Konstablern miß-handelt, sowie eine Menge ganz unbetheiligter Leute. Von den Gewaltthätigkeitender Konstabler wurde aber nicht so viel Aufhebens gemacht, wie von den Katzen-musiken.