andwrrkrr und Arbeiter.
Was in der Arbeiterwelt gährte und nach Durchbruch rang, stießauf entschiedenen Widerstand bei dem zunstmäßigen Handwerkerthum.Von allen Klassen haben die zopftragenden Handwerks- und Jnnungs-meister im Jahre 1848 die Zeitbewegung am wenigsten verstanden.Wohl hatten sie in vormärzlichen Tagen sich häufig gegen Polizei undBureaukratie aufgelehnt; als aber die ersehnte Freiheit kam, blieben siemit der hergebrachten Engherzigkeit an ihren Kirchthurmsinteressen hängen.Sie glaubten sogar die Revolution benutzen zu können, um alte, längstabgestorbene Einrichtungen neu zu beleben. Sie demonstrirten gegen dieGewerbefreiheit, deren Wesen sie nicht verstanden, weil sie nicht überNasenlänge hinaussahen. Im April 1848 richteten die Leipziger Junungs-meister einen offenen Brief an alle Jnnungsgenossen Deutschlands, inwelchem sie aufforderten, am Jnnungswesen, diesem „Kleinod," fest-zuhalten. Sie behaupteten, mit der Aufhebung der Innung werde Familie,Haus, Gemeinde, Staat und die ganze Gesellschaft in Trümmer gehen.Auch gegen das allgemeine Wahlrecht wendeten sie sich, denn sie fürchteten,der Meister könne von seinen Gesellen überstimmt werden, so daß schließlichdie Gesellen den Meistern Gesetze vorschreiben würden. Dieser lächerlicheDünkel der Meister war verbunden mit einem bornirten Hasse gegen dieJuden. Die Meister fürchteten von der Emanzipation der Juden einegefährliche Konkurrenz und darum hatten sie auch bei verschiedenen Juden-krawallen des „tollen Jahres" die Hand im Spiel.
Rührig waren die Zunftmeister für ihre Sache, das muß man ihnenlassen. Beim Fünfziger-Ausschuß zu Frankfurt am Main lief im Aprilein Schreiben vom Bremer Tischlergewerk ein, welches den Ausschußaufforderte, er solle beim Parlament beantragen, daß es in allen dieHandwerker betreffenden Fragen nichts beschließe, „ohne den Rath derHandwerker selbst zu hören." Das wäre an und für sich ganz vernünftiggewesen, wenn nur die Handwerksmeister selbst vernünftigere Anschauungengehabt hätten.