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Die Deputation mit dieser Adresse, Herrn v. Unruh an der Spitze,kam noch des Abends nach Potsdam. Der König wollte sie erst nichtempfangen; endlich erschien er, finster und schweigend. Unruh las dieAdresse vor, der König nahm sie und wollte sich mit einer Verbeugungentfernen. Da trat Johann Jacoby vor und sprach: „Majestät, wir sindnicht allein hierher gesandt, um diese Adresse zu überreichen, sondernauch die Wahrheit über die Stimmung des Landes zu berichten. WollenEw. Majestät uns Gehör schenken?" Der König antwortete: „Nein!" und
Karl d'Ester.
entfernte sich*), wobei ihm Johann Jacoby zurief: „Das ist eben dasUnglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen!"
Diese freimüthigen Worte paßten in die Lage und sind berühmtgeworden; von den verblaßten Liberalen, halben Demokraten und ganzenReaktionären aber erfuhr Jacoby sofort nach dem Abtreten des Königsdie heftigsten Vorwürfe.
Drei Abgeordneten, Kühlwetter, Gierke und Mätzke, gelang es nocham selben Abend, beim Könige vorgelassen zu werden; er sagte ihnenhalb scherzend, er könne als konstitutioneller König ohne Minister nichtsthun, und so wurden die Minister nach Potsdam berufen.
*) Die „Vossische Zeitung" behauptet, der König habe sich „freundlich grüßend"entfernt.
Blos, Deutsche Revolution.
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