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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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Gagern hatte sich im November Instruktionen in Potsdam undBerlin geholt, Schmerling aber trat von seinem Posten als Präsidentdes Reichsministeriums zurück mit der Erklärung, daß die Stellung derReichsgewalt zu Oesterreich auf einer den obwaltenden Verhältnissen ent-sprechenden Grundlage neu geordnet werden müsse und daß eralsOesterreicher" nicht der geeignete Leiter in dieser Frage sei. Das Mini-sterium beschloß einstimmig, dem Reichsverweser vorzuschlagen, Heinrichvon Gagern an Schmerlings Stelle ins Ministerium zu berufen. DerReichsverweser that dies sogleich und Gagern bildete ein neues Mini-sterium, in dem er selbst den Vorsitz und das Aeußere, Peucker denKrieg, Beckerath die Finanzen, Robert Mahl die Justiz und Duckwitz denHandel übernahm. Schmerling wurde österreichischer Gesandter beimReichsverweser, um die österreichischen Interessen da zu wahren, wo siesich mit den preußischen nicht im Einklang befanden.

Es gab dieser Staatsaktion einen sonderbaren Anstrich, daß Gagernvom Schmerlingffchen Ministerium selbst empfohlen wurde. Der Staats-mann Gagern, der als Präsident durch Eduard Simson aus Königsbergersetzt wurde, trat nun mit seinem Programm hervor, welches die deutsch-österreichische Frage lösen sollte. Es hieß in diesem Programm, nach derErklärung des österreichischen Ministeriums, daß es den österreichischenEinheitsstaat aufrecht erhalte, glaube das Reichsministerium die Beziehungenzwischen Deutschland und Oesterreich so auffassen zu müssen, daß das be-stehende Bundesverhältniß im Allgemeinen aufrecht zu erhalten unddie Sonderstellung Oesterreichs anzuerkennen sei, wonach letzteres nichtin den neu zu schaffenden Bundesstaat eintreten könne. Die Stellung vonOesterreich zu Deutschland sei durch eine besondere Unions-Akte festzu-stellen, über die man sichauf gesandtschaftlichem Wege" zu verständigenhabe und die auf das Verfassungswerk nicht einwirken dürfe.

Die Nationalversammlung genehmigte dies Programm, allein dieperfide schwarzgelbe Politik erhielt auch jetzt noch die österreichische Fragein der Schwebe. Das Ministerium Schwarzenberg erklärte, Oesterreichdenke gar nicht daran, seine Stellung als deutsche Bundesmacht aufzu-geben. Man dürfe Oesterreich nicht als einen Staat betrachten, der inden deutschen Bundesstaat nicht eintreten wolle; Oesterreich habe sich davonnicht losgesagt. Es wünsche eine Verständigung mit den Regierungenüber die Verschmelzung der Bestandtheile Deutschlands und erwarte vomReichsministerium das entsprechende Entgegenkommen.

Gagern wurde vom Parlament ermächtigt, den Weg zu dieserVer-ständigung" zu betreten.

Genug von diesen widerlichen Wirren und Intriguen, bei denen