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gefurchtsten Namen gemacht hatte, belebte die republikanische Propagandain Sardinien dermaßen, daß Karl Albert zu der Ueberzeugung kam, erwerde sein Land an die Republikaner verlieren, wenn er nicht den Kampfgegen Oesterreich wieder aufnehme. Die ersten Siege der Ungarn, dieum diese Zeit erfolgten, bestärkten ihn in seinen Hoffnungen und er faßteeinen raschen Entschluß. Am 12. März kündigte er den Waffenstillstandund alsbald begann abermals der Kamps zwischen dem alten Radetzkyund dem Sardenkönig.
Das sardinische Heer, das der Pole Chrzanowsky befehligte, warüber 80 000 Mann stark, aber etwas mangelhaft ausgerüstet. Rom undToskana hatten zusammen 70 000 Mann Hülfstruppen zugesagt, denn dieRepublikaner erkannten gar wohl, daß die Niederlage des Sardenkönigsauch die ihrige sein werde; sie fügten sich dem Zwang der Umstände undverbanden sich mit dem ihnen verhaßten Mann. Aber die Ausrüstungder Truppen in Rom und Toskana ging zu langsam von Statten, alsdaß sie dem Sardenkönig hätten zum Vortheil gereichen können.
Radetzky, der ein Heer von 70 000 wohlgeschulten Soldaten hatte,griff seine Gegner mit aller Entschlossenheit an. Er rückte aus Mailandnach Pavia und erschien unerwartet in der Flanke der Piemontesen, dieer dadurch in die Defensive zurückwarf, nachdem sie schon gegen Mailandvorgerückt waren. Der Kampf entschied sich rasch. Bei Mortara undVigerano wurden am 21. März die Piemontesen geworfen und von ihrerRückzugslinie abgeschnitten. Am 23. März kam es zur Entscheidungs-schlacht bei Novara, wo Karl Albert sein Heer vortheilhaft aufgestellthatte. Der Sardenkönig blieb in dieser Schlacht anfangs im Vortheil,bis die verschiedenen Korps der Oesterreicher auf dem Schlachtfelde ein-trafen und nach einem sehr blutigen und hartnäckigen Kampfe durch einenallgemeinen Sturmangriff das Zentrum der Piemontesen sprengten. DieNiederlage Karl Albert's war furchtbar und er setzte sich den feindlichenKugeln aus, in seiner Verzweiflung den Tod suchend. In Novara, wohindas geschlagene Heer floh, fand in der Nacht eine grausenhafte Szeneder Verwirrung statt; es wurde geplündert und wurden viele Gebäudeangezündet. Noch am Abend dankte Karl Albert ab und übertrug dieKrone von Sardinien und Piemont seinem Sohne Viktor Emanuel; erselbst starb nach ganz kurzer Zeit.
Radetzky bewilligte dem neuen König einen Waffenstillstand und einenleidlichen Frieden. Damit war Oesterreich den sardinischen Gegner los.In sechs Tagen war die sardinisch-piemontesische Macht unter dem un-fähigen Karl Albert von dem 82jährigen Radetzky völlig niedergeworfenworden. Viktor Emanuel empfand keine Lust, die Rolle seines Vaters jetzt