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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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hatten diesen Massen 141000 Mann entgegenzustellen, doch ließ sich ihreStreitmacht noch vermehren und wenn sie rasch handelten, so war einErfolg noch denkbar.

Die Regierung entwarf in Gemeinschaft mit Görgey den Kriegsplan.Mit den Russen, die langsam heranrückten, wollte man sich vorläufigauf keinen entscheidenden Kampf einlassen; ein Korps an der oberenTheiß sollte sich damit beschäftigen, ihnen den Marsch zu erschweren.Görgey dagegen sollte sich mit allen verfügbaren Truppen auf die Oester-reicher stürzen und im Falle des Sieges sogleich nach Wien vordringen.Jellachich konnte Bem überlassen werden. Im Fall der Niederlage ander oberen Donau konnte sich Görgey auf die gewaltige Festung Komornstützen und Verstärkungen heranziehen. Man dachte im Falle der Nieder-lage sogar daran, sich mit einer großen Truppenmasse nach Italien zuwerfen und von dort aus Oesterreich in den Rücken zu fallen.*)

Görgey, dem der Plan zu gefallen schien, rückte eilends nach Komorn,um die Oesterreicher anzugreifen. Aber der günstige Moment war ver-säumt, die Oesterreicher waren zu stark. Es gelang zwar Görgey, einkleines österreichisches Korps bei Csorna zu überfallen und zu schlagen.Aber sein Angriff auf die Oesterreicher auf der Insel Schütt hatte keinenErfolg; er wurde am 16. Juni geworfen und seine Armee wurde nurdurch Klapka, den Kommandanten von Komorn, gerettet, der ihm denRückzug über die Brücke von Aspod offen hielt. Während die Russendie ungarische Grenze überschritten und die ungarischen Heerhaufenüberall zurücktrieben, ward Görgey bei Pered am 21. Juni abermalsgeschlagen und Raab ward den Ungarn entrissen. Er schrieb nach Pest,Alles sei verloren, man möge ihn seinem Schicksal überlasten und dieRegierung solle sich nach Großwardein retten.

In solcher Gefahr erließ Kossuth einen Aufruf zum Aufstand inMasse; die Sturmglocken sollten geläutet werden und jeder gesunde Mannsollte unter die Waffen treten. Die Streitkräfte sollten im Innern desLandes konzentrirt werden. An Görgey wurden die Generale Kiß undAulich und der Minister Csanyi geschickt, um ihn zum Rückzug nach demInnern zu veranlassen. Er versprach es, kam aber nicht. Abermals griffer an und wenn er auch am 2. Juli in der Schlacht von Acs vor Komorndie Oesterreicher zurückwarf, so ward seine Lage doch immer bedenklicher.Jetzt kam ein Befehl von Kossuth an, wonach Görgey des Oberkommandoswegen seines Ungehorsams enthoben wurde; au seine Stelle sollte Meszarostreten. Görgey sollte Kriegsminister bleiben. Aber der eben siegreiche

) Dieser letztere Plan war die Ausgeburt einer überreizten Phantasie.