Band 
Erster Theil.
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Drittes Kapitel.

dem Papste seinen Segen über das Heer zu erflehen und von ihmeinen Beitrag zu den Kosten dieser Rüstungen zu erbitten. DieEinen meinten deshalb, die Expedition sei gegen Genf bestimmt,die Andern, sie solle nach Deutschland abgehen, um die Wahl Phi-lipps III. zum römischen König zu erzwingen. Bestärkt wurdendie Italiener in dieser Anschauung durch die freundliche Stellung,welche der spanische Hof der anscheinend zunächst bedrohten Repu-blik Venedig gegenüber annahm. Als ihr Gesandter, FrancescoSoranzo, den König Philipp um Aufklärung über die Rüstungenin Spanien bat, versicherte derselbe die Republik auf das huldvollsteseiner Gunst; wegen „ihrer großen Verdienste um ihn" könne siesicher sein, daß seine Armeen sie nie angreifen, sondern im Nothfalleselbst vertheidigen würden. Aehnlich äußerten sich Lerma, der Beicht-vater, der Graf Velada und der Condestable Velasco gegen So-ranzo. ')

In Frankreich dagegen blieb man, trotz der Gesandtschaft nachRom und trotz der Versicherungen der Spanier, der festen Ansicht,sie hätten es auf Italien gemünzt, und nur über das Objekt desAngriffes war man im Zweifel: die durchlauchtigste Signorie, derGroßherzog von Toskana, der Herzog von Mantua wurden genannt,Karl Emanuel als Helfershelfer bezeichnet?)

Aber bald zeigte es sich, daß keine von allen den verschieden-artigen Meinungen das Richtige getroffen hatte. Die Absicht, wennnicht des spanischen Hofes, so doch sicher des Grafen Fuentes, ging— mitten im Frieden — auf eine verräterische Unternehmunggegen den bedeutendsten Seehafen Frankreich's, gegen Marseille.Der ewig unruhige, ewig unzufriedene und ewig treulose Herzogvon Savoyen hatte während seiner Friedensverhandlungen mit Frank-reich diesen saubern Anschlag mit dem spanischen Governator abge-redet. Mehrere Franzosen hatten dazu die Hand geboten. Aber einige

') Depeschen Soranzo's ilüä. 110 f. Note.

2 ) k. LInMisu, II. 34 — Vgl. Dsttr. iuis8., V. 448.