Scheinfriede.
243
daß sie gegen Frankreich ausgerüstet sei. Seitdem war die Haupt-macht wirklich unter dem berühmten genueser Bankier AmbrosiaSpinola nach den Niederlanden abmarschirt, aber nun (Ende Juni1602) sollten noch 2000 Neapolitaner unter dem Befehle von Bran-cas die Rhonebrücke bei Grezin passiren. Heinrich indeß glaubte zuwissen — und wer könnte ihm nach dem Vorgefallenen einen sol-chen Verdacht übelnehmen? — daß diese Truppen bestimmt seien, ander französischen Grenze stehen zu bleiben und die Anhänger Bi-ron's in Burgund, die um diese Zeit sich noch nicht vollständigunterworfen hatten, zu ermuthigen und heimlich oder öffentlich zuunterstützen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß jenes Truppencorpszu einem solchen Zwecke bestimmt war, aber der König glaubte esentweder wirklich oder wollte bei dieser Gelegenheit den Spaniernbeweisen, daß er ihnen erforderlichen Falles auch entgegen zu tretenverstehe. Er beauftragte also den Marschall de Lavardin, welcherdie französischen Streitkräfte in Burgund befehligte, an die Rhone-brücke zu rücken und die Spanier an deren Ueberschreitung zu ver-hindern. Lavardin kam diesem Befehle sofort nach. Vergebensversicherte Brancas, er habe keinen andern Auftrag und Zweck, alsgeraden Weges nach Flandern zu marschiren: auf die wiederholteWeisung Heinrich's hin sperrte Lavardin den Neapolitanern beharr-lich die einzige Straße nach der Franche-Comte.')
Die Spanier nahmen aber dem französischen Könige diesenSchritt sehr übel! Tassis reklamirte sofort bei Heinrich, doch ohneErfolg. Die spanische Regierung zeigte sich so entrüstet, als hättesie nie mit den Feinden des Bearners in Verbindung gestanden.Der Herzog von Sessa wurde beauftragt, dem Papste diesen fla-granten Friedensbruch des französischen Königs zu melden und ihmdie ganze Schändlichkeit eines solchen Verfahrens, dem friedlichenund vertragsmäßigen Benehmen Philipp's gegenüber, gebührend zuschildern. Ernste Maßregeln wurden getroffen. Heer, Festungen
L. m., V. 639.
16 '