Band 
Erster Theil.
Seite
358
JPEG-Download
 

358

Viertes Kapitel.

In beiden Konklaven hatte ohne Zweifel Frankreich die Ober-hand behalten. Die Spanier hatten keinen ihrer Kandidaten durch-zudrängen vermocht, keinen Augenblick lang hatte die Majorität sichihnen zugeneigt. Das erste Mal war ein unbedingter AnhängerFrankreichs durchgedrungen, das zweite Mal ein Mann, der Hein-rich IV. gleichfalls wohlwollte; und vielleicht, wenn hier Baroniussich nicht so entschieden geweigert hätte, wäre er auf den StuhlPetri erhöht worden, um diesen zu einem Bollwerke aller GegnerSpanien's zu machen. Spanien, das sich so vorzugsweise als ka-tholische Macht pries, welches der Vorkämpfer des Katholizismuszu sein beanspruchte, Spanien hatte seine Kandidaten zweimal fallensehen, es hatte offenbar die Mehrheit der Kardinäle der heiligenrömischen Kirche gegen sich! Und an wen hatte es dieselbe verloren?An einen rückfälligen, kaum äußerlich bekehrten Ketzer, an den Be-arner Heinrich, von dem Niemand sagen konnte, an wen er glaube!. Der Grimm der Spanier über ihre Niederlagen auf einem Ge-biete, wo sie ganz sicher zu herrschen wähnten, war sehr groß;')aber was sollten sie dagegen thun?

Noch eine Bemerkung sei hier gestattet. Wie hatte man sichbei diesen Papstwahlen um Den, welcher ursprünglich die Päpste er-nannte oder wenigstens bestätigte, um den deutschen Kaiser, doch sogar nicht gekümmert! Nicht mit einem Worte wurde sein bei allendiesen Vorgängen gedacht. Was hatten die Habsburger aus dem rö-mischen Reiche deutscher Nation, was aus dem Beherrscher derChristenheit gemacht!

Ueberblicken wir noch einmal die politischen Resultate der letztendrei Jahre, soweit sie sich auf das gegenseitige Verhältniß Frank-reichs und Spanien's beziehen.

Es läßt sich nichts Verschiedeneres denken, als die Politik beider

>) Äi Pr. kriuli, 887 k.