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Erstes Kapitel.
nahm ihm die Last und Mühe des Denkens ab; schließlich getrautesich der König in den Audienzen nichts anderes zu sagen, als:„Ich will sorgen, daß die Sache geprüft wird/') Obwohl er-gänz gut wußte, daß Lerma nicht alles zum Wohle des Staatesausrichte, so meinte er doch, Lerma sei im Grunde noch besser undzuverlässiger, als jeder andere seiner Diener, dem die Regierungzufallen müsse, wenn er sie Lerma nähme. So lieb Philipp auchseine Gemahlin hatte, sie durfte nicht versuchen, Lerma's Machtdurch eigenen Einfluß im geringsten zu schmälern; ja, es warausdrücklich verboten, sich mit der Bitte um die mindeste Gnaden-bezeugung an sie zu wenden! Examinirte doch Lerma den Königdarüber, was seine Gemahlin im Ehebette mit ihm gesprochen; erließ sie fragen, was sie nach Deutschland schreibe; er fing selbstdie Briefe auf, die sie mit der einzigen ihr gebliebenen deutschenDame wechselte. Das kränkte die Königin tief, so daß sie oftausrief: sie wolle lieber eine Klosterdame in Graz fein, als Königinin Spanien/)
Unumschränkter Herr des spanischen Staates war dieser Lerma.Bon ihm konnte man sagen, er mache die Kardinäle, er vergebedie Würden, er vertheile weltliche und geistliche Einkünfte. Inihm war gleichsam die Summe der Herrschaft verkörpert; meistensverfügte er über die wichtigsten Geschäfte des Staates selbst undgab nur von den geringeren dem Staatsrathe Kenntniß, dem erseine eigentliche Bedeutung dadurch nahm. Hatte doch der Königdie Unterschrift des Herzogs an Geltung seiner eigenen gleichgesetzt/)wohl ein einziger Fall in der Geschichte! Es half nichts, ein Ge-such an Philipp 11k. zu richten; nur durch Lerma's Verwendungkonnte man hoffen, seinen Zweck zu erreichen.
') Man vergl. z. B. die Depeschen Sir Charles Cornwallis' v. 9. April1607 u. 10. Dez. 1008; 4V1nvvooä Memorials, II. 299 L; 457.
2 ) Graf Johann Khevenhiller's Relation an den Kaiser, v. 10. Jan. 1006;Lünig, Europäische Staatskonsilicn (Leipzig 1715) I. 609 f.
I,nl'nente, Ilistorin ZonernI «1s Lspnna, XV. 450.