Band 
Zweiter Theil.
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Erstes Kapitel.

Kardinal und Erzbischof von Toledo, aus welcher letzten Würdederselbe allein 300,000 Scudi — etwa zwei und eine halbeMillion Thaler jährlicher Einkünfte bezog. Im Oktober 1608wurde er trotz seines Straubens zum Generalinquisitor von Spaniengemacht, um in -dieser Würde seinen nunmehr mächtigen Arm demNeffen zur Unterstützung zu leihen. — Ein anderer Oheim Lerma's,Don Juan de Borja, wurde zum Vorsitzenden des Rathes vonPortugal ernannt.

Der Schwager des Herzogs, der Graf von Altamira, erhieltdie direkten Steuern eines peruanischen Jndianerdistriktes, die8000 Dukaten jährlich einbrachten; außerdem wurde er zum Grandevon Spanien und dann zum Majordomns der Königin erhoben.So wurde jede Regung der Selbständigkeit, die etwa Margarethenhätte kommen können, systematisch niedergehalten. Die eineSchwester Lerma's war ihre Oberhofmeisterin, der andern Gemahlihr Majordomns. Es begreift sich, daß unter solchen Verhältnissendie Königin auf jeden Versuch, sich in die Staatsangelegenheitenzu mischen, bald verzichtete.

Der Erzieher der Söhne des Herzogs, demselben ganz er-geben, wurde zuerst Kanonikus von Toledo, dann Bischof vonValladolid mit einem jährlichen Einkommen von 200,000 Dukaten,endlich — im Jahre 1603 — Generalinquisitor von Spanien.„Viele wunderten sich hierüber", schreibt der offizielle Geschichts-schreiber des Königs in sein Tagebuch,') „weil diese Würde stetsPersonen von großen Eigenschaften und von bedeutender Erfahrungin Sachen der Inquisition und in andern Aemtern gegeben wor-den ist; indessen da er eine Kreatur des Herzogs von Lerma ist,so wird alles leicht von Statten gehen".

Aber der vertrauteste und gewandteste aller Diener des Her-zogs war Pedro Franqueza. Derselbe war aus niederm Stande,der Sohn eines befreiten Sklaven, und daher schrieb sich auch sein

') OsbrsrL p. 168.