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saß nun der Herzog selbst, alle Fäden in seiner Hand vereinigend,niemanden, der nicht zu diesem Kreise gehörte, an das Centrumder Macht heranlassend. Vom Könige wich er nicht; wohin der-selbe kam, empfing er nur Eindrücke, die Lerma ihm zugeführtwissen wollte. Dieses System war mit Schlauheit und Geschickentworfen; bei der großen Beschränktheit und GeistesträgheitPhilipp's III. war es von außen her gar nicht zu stürzen; nurein innerer Feind, und zwar einer, der recht im Mittelpunkt desGanzen sich befand, konnte es zerstören: man möchte sagen, außerdem Lieblingssohne des Herzogs, seinem rrltor 6M, dem er ver-traute wie sich selbst, hätte es niemand vermocht.
In den Staatsrath kam Lerma nur bei den bedeutsamstenGelegenheiten, aber es mußten ihm alle Konsulten desselben vor-gelegt werden. Freilich war auch unter Philipp II. der Staats-rath in die geheimsten Triebfedern der Kabinetspolitik nicht ein-geweiht worden; aber während damals der König das Wichtigstemit mehreren vertrauten und erprobten Ministern selbst zu ver-handeln Pflegte, machte das jetzt Lerma mit seinem Günstling Fran-queza allein ab, entschied in letzter Instanz über alle Dinge undbrachte vor den König nur, was er diesem zu zeigen Lust hatte.Immer seltener wurden die großen kindischen Schriftzüge Philipp's III.am Nande der Aktenstücke, immer mehr beschränkten sie sich aufeine Hinweisung auf die von dem Herzog zu treffende Entscheidung.Oft trennte sich dann Lerma wieder wie tief melancholisch oder inanstrengende Studien versenkt von allein Verkehr mit den Menschen— sprach er doch schon seit dem Jahre 1606 davon, sich von derWelt zurückzuziehen!') — der Herzog von llceda schien dann dieGeschäfte zu führen, nur Franqueza hatte zu seinem Meister Zu-gang. Und wenn noch der Anmaßung und Schlauheit in derAusbeutung der Herrschaft, ich will nicht sagen die Fähigkeit, aber
') Dcp. CornwalNs' an Salisbury, 28. Oktbr. 1606; VVinrvooä Me-morials, II. 262.