Band 
Dritter Theil.
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Erstes Kapitel.

die Graubündner geglückt war, wellte er von keiner Mäßigungetwas wissen. Noch nie waren seine Pläne so weitgreifende ge-wesen. Der Schluß des Jahres 1605 war jene Zeit, wo er dieStaaten Oberitalicns vor den mailändischen Steucrgerichtshof citirenließ, um von ihnen alle diejenigen Gebietstheile zurückzuverlangen,die jemals in einem Abhängigkeits-Verhältniß zum HerzogthumeMailand gestanden hatten. Ganz Italien war darüber in die hef-tigste Aufregung gerathen, selbst die den Spaniern sonst so durch-aus ergebenen Genüssen hatten erklärt, sich bis zum Aenßerstengegen Fuentes' Anmaßungen zur Wehre setzen zu wollen; zumal sieeinen Vertrug desselben mit den frühern Herren ihrer Stadt Savona,den Carretti, entdeckt hatten, durch welcher: diese ihre Rechte aufSavona dem spanischen Monarchen übertragen hatten. Es wardies um so drohender, als auf ähnliche Weise die Spanier sichbereits eines anderen Besitzthumes der Carretti, des MarchesatsFinale, bemächtigt hatten.') Freilich mußte Fuentes schließlich vordeni allgemeinen Unwillen über diese Ansprüche deren Ausführungvertagen: aber um vor denselben auf immer sicher gestellt zu werden,richteten sich alle Blicke in Italien sehnsüchtig nach Frankreich. Eswar in der That die höchste Zeit für den französischen Monarchen,hier mit Energie aufzutreten, wenn er Italien davor retten wollte,völlig der spanischen Anmaßung zum Opfer zu fallen, und zugleichFrankreich bewahren vor einer gänzlichen und endgültigen Nieder-lage in jener seiner Politik, die seit mehr als einem Jahrhundertden französischen Einfluß in Italien geltend zu machen strebte.Glücklicher Weise ergab sich nun die Möglichkeit für Heinrich IV.zu einem kräftigern Verfahren in Italien, nachdem es ihm endlichgelungen war, alle oppositionellen Regungen im Innern seinesReiches zu erdrücken. So vermochte er jetzt mit dem ganzen Nach-druck des endlich geeinten und dem Königthume völlig unterworfenen

') Depeschen du Perron's aus Rom v. 21.—28. Dez. 1605; Lmkusüucleset de du Perron, Pans 1633, p. 824 f. 833 f.