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Erstes Kapitel.
näckigkeit und rücksichtslose Gewaltsamkeit Paul's V. empfand —ärgerlich nannte er ihn einen in der Politik unpraktischen Menschen —:er durfte sich ihm gegenüber zu keinem übereilten Schritt hinreißenlassen. Würde er doch dadurch nur die Wünsche der Spanier er-füllt haben, die nichts sehnlicher begehrten, als ein Zerwürfnißzwischen dem heiligen Stuhle und dem französischen Monarchenherbeizuführen. Während er sich fortdauernd den Venetianern ge-neigt zeigte und z. B. der einzige unter den großem katholischenMonarchen war, der seinen Gesandten in Venedig noch freund-schaftlich mit dem Senate verkehren ließ: hörte er doch nicht aus,die Venetianer zur Mäßigung und zn theilweisem Nachgeben zuermähnen, um die Nergleichsverhandlungen von Neuem mit bessererAussicht auf Erfolg beginnen zu können. Diese Politik veranlaßteihn, von vornherein den Venetianern jede Hoffnung auf eine direkteWaffenhülfe seinerseits abzuschneiden. Besonders in den minderwichtigen Angelegenheiten möchten sie sich nachgiebig zeigen, damitder Papst doch ihren guten Willen sehe.')
Heinrich schmeichelte sich wohl selbst kaum, mit diesen Er-mahnungen vielen Erfolg zn haben, da die Signorie zwar diebesten Worte gab und zumal emphatisch versicherte, nur die fran-zösische Vermittelung ernstlich annehmen zu wollen, aber in Wahr-heit keinen einzigen versöhnlichen Schritt that: als überraschenderWeise in Nom selbst endlich eine günstigere Wendung eintrat.
Bei ruhigerer Erwägung der Sachlage fand Paul V. seineStellung keineswegs so glänzend, wie sie ihm zunächst erschienenwar. Er mußte die traurige Wahrnehmung machen, daß er sichauf die lärmend verheißene spanische Unterstützung nicht verlassenkönne. Die Mehrheit des spanischen Staatsrathes tadelte vielmehroffen die kriegerische Haltung, zu welcher Lerma den Monarchenin dieser Angelegenheit fortgerissen hatte.
i) Heinrich IV. an de Fresnes-Canaye, 18. Zuli; muss. VI. 635 ss.— Dcp. Pietro Priuli's v. 2. Aug.; c»ri>-n 122.