Band 
Dritter Theil.
Seite
25
JPEG-Download
 

Venedig und (Nraubünden.

25

daß andrerseits der französische Monarch die genügende Zeit zuseinen Gegenmaßregeln erhielt.

Er verfuhr mit bewundernswerther Geschicklichkeit. Währendganz Rom voll Erwartung wegen der stets sich verzögernden ReiseDon Franeisco dc Castro's war/) traf er selbst die Wahl einesMannes, der geeignet wäre, mit genügendem Ansehen und bewährterGeschicklichkeit zugleich als Vermittler zwischen dem heil. Stuhleund der Republik aufzutreten. Er erkor dazu eine in jederBeziehung passende Persönlichkeit: den Kardinal v. Joyenfe (l5.Oktober).-) Derselbe war einst ein eifriger Ligist gewesen, alsodem Papste in Bezug auf Frömmigkeit durchaus unverdächtig;er war den Spaniern nicht unangenehm; seine vornehme Ab-stammung und seine hohe kirchliche Würde zugleich sicherten ihmallenthalben Gehör; und endlich hatte er neuerdings dem Königegenügende Beweise seiner Treue und zugleich seiner Geschicklichkeitgegeben. Er sollte zunächst nach Rom gehen, unter dem Ver-wände, dort sein Amt als Protektor Frankreichs bei der Kurie zuverwalten, und dann nach Venedig. Doch sollte seine Abreisenicht eher erfolgen, als nachdem wenigstens die ersten Grundlagenzu einer Versöhnung gegeben wären; denn theils wollte man dasGewicht der Dazwischenkämst des Kardinals nur zur Beseitigungder letzten und also hartnäckigsten Schwierigkeiten verwenden,theils einen so hochstehenden französischen Kirchcnfürsten, einen soin die Augen fallenden Vertrauensmann deS Monarchen nichtvergebens ausziehen lassen.

Das aber war jetzt um so mehr zu befürchten, als derPapst einstweilen noch immer kriegerisch gesinnt war. Er ließdeshalb durch Barberini, seinen Nuntius in Paris, an Heinrichwiederholt die unverblümte Aufforderung richten: Der Königmöge sich bereit erklären, als ältester Sohn der Kirche den Schutz

>) vls. Dep. Ortembcrg's v. 8. Okt.

2) Heinrich IV. an Joyeuse, >5. Okt.; I.. m. VII. 15.