Der niederländische Waffenstillstand.
155
Zunächst hatte die spanisch-französische Heirathsangelegenheiteinen günstigen Verlauf genommen, und es schien, als ob Paul's V.Optimismus nicht unbegründet wäre. Sobald Lerma erwartenkonnte, daß der heilige Vater den eingehenden Bescheid des spanischenStaatsrathes erhalten habe, setzte er ein Schreiben an Heinrich IV.auf, das er zuerst den französischen Gesandten Barrault lesen ließ,und welches, wenn auch nur in sehr allgemeinen Ausdrücken, dieZustimmung der spanischen Regierung zu der Heirathsidee und dieAnkündigung enthielt, daß demnächst der Marques de Villasrancazur wettern Behandlung dieser Angelegenheit in Paris eintreffenwerde. Das Schreiben enthielt von Seiten Lerma's die lebhaftestenErgebenheitsbetheuerungen für den französischen Monarchen sowiedie Versicherung, daß auch der Katholische König nichts sehnlicherwünsche, als enge und dauernde Freundschaft mit dem französischenMonarchen, st
Dieser Brief, den Barrault durch seinen Sekretär nach Frank-reich sandte, brachte bei Heinrich IV. einen tiefgehenden Wechselder Stimmung hervor. Er sah nun, daß Spanien seine Aner-bietungen nicht stillschweigend und gleichsam verächtlich zurückweise,sondern daß es dieselben für wichtig genug halte, um eine der vor-nehmsten Persönlichkeiten des Reiches nach Paris abzuschicken. Vondem Ungenügenden und Verkehrten in den dem Don Pedro ge-wordenen Aufträgen hatte Heinrich natürlich keine Ahnung, undebenso täuschte er sich über dessen Persönlichkeit. Vielmehr war erzunächst entzückt über die Aufmerksamkeit, daß man ihm einen sonahen Verwandten, einen Vetter der Königin sende. Dazu kam,daß sich die Spanier, und besonders Don Pedro selbst, alle Mühegaben, der spanischen Gesandtschaft eine gute Aufnahme zu sichern.Don Pedro ward zum Granden von Spanien erhoben, nur ihndesto gewichtiger zu machen; und als er von dieser Zeremonie zu-rückkam, bemerkte er dem französischen Gesandten, er schätze noch
st Dep. Barrault's v. 18 April; Nerrens p. 96 s.