Band 
Dritter Theil.
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Zweites Kapitel.

sollte; es würde ihm übel anstehen, sich verwandtschaftlich mit einemPotentaten zn verbinden, den er nachher bekriegen oder dem erwenigstens Widerstand werde leisten müssen, nnd daö würde sicher-lich eintreten, wenn man den Generalstaatcn nicht leidliche Be-dingungen erwirke, ft Kurz Heinrich betrieb mit großem Eifer nndGeschick jene trügerische Politik mit doppeltem Antlitze, die er beijedem Anlasse mit vielen: Nachdruck zn verwerfen, als deren leb-haftesten Gegner er sich zu bezeichnen pflegte.

Es ging schließlich dem Nuntius, wie den meisten Unter-händlern, die mit Heinrich IV. zu thun hatten: er fand sich indem Irrgarten von dessen anscheinend widerspruchsvoller Politiknicht mehr zu recht. Und doch war des Königs stete und konse-quente Absicht einfach die, Spanien auf alle Weise zu schwächen,sei es durch feindliche, sei es durch friedliche Mittel. Für einsolches friedliches Mittel hatte er die flandrische Heirath angesehen,und zwar für ein so gewichtiges, daß er für diesen Zweck sogar inzwei weitere spanische Heirathen seiner Kinder und in ein schein-bares Einverständniß mit Spanien auf mehrere Jähre gewilligthätte. Da er aber erkannte, daß die Spanier sich auf seinenVorschlag nicht ohne wichtige Gegendienste einlassen, ja denselbenwahrscheinlich ihrerseits benutzen wollten, ihn zu hintergehen, war erjetzt wieder so antispanisch wie je. — Gerade weil er nunmehr seinenEntschluß gefaßt, zeigte er sich in einer Zusammenkunft mit demMarques von Nillafranca, die der unermüdliche Ubaldini EndeSept. vermittelt hatte, überraschend ruhig nnd freundlich.-) Aberdas war nur Schein, oder höchstens vorübergehende Stimmungohne bleibende Bedeutung; seit dem brüsken Auftreten Toledo'sim Beginne seiner Verhandlungen hatte der König bestimmtPartei gegen Spanien genommen. Villeroh, der gewiß nicht

9 Relation Buwinkhausen's v. 26. Sept. bis I. Okt. 1608; Ilittor, Br.u. A. II. 108. — Vgl. Villeroy an Jeannin, 20. Sept.; XIV. 108.

9 Dep. Ilbaldini's v. 30. Sept.; Nerrens 161. 170 N.