296
Drittes Kapitel.
Erzherzog Albert am 16 . Oktober auf eigene Gefahr den ent-scheidenden Schritt zum Frieden gethan und die Unabhängigkeitder Freien Niederlande sowohl in seinem eigenen wie in desKatholischen Königs Namen anerkannt habe. Damit war die Kriegs-gefahr für die nächste Zeit vollkommen beseitigt. Mußte schonhierdurch Heinrich zu der friedlichen Haltung der letzten Monatezurückgeführt werden, so gab ihm die übergroße Schlauheit desSavoyers dazu den erwünschtesten Vorwand. Der König stelltesich, als ob die beabsichtigte Sendung Verrua's nach Spanien denlebhaftesten Verdacht gegen die Aufrichtigkeit und Treue desSavoyers bei ihm von neuem erwecke. Man erzählte am französischenHofe, Verrua sei nur der Vorläufer für den Herzog selbst, der— einem vor Jahren von Spanien geäußerten Wunsche gemäß —sich demnächst nach Madrid zu begeben gedenke. Mlteroy wiestrinmphirend darauf hin, wie sehr dies seine schon längst gehegteAnsicht bekräftige, als suche der Savoyer durch seine scheinbarenBemühungen um Frankreich's Freundschaft nur feine Angelegen-heiten in Spanien zu fördern, dieser Macht den Werth seinerAnhänglichkeit und seines Bündnisses recht eindringlich darzuthun.Der König selbst beschwerte sich gegen den päpstlichen Nuntiusbitter über die Unbeständigkeit der Italiener, über die Unmöglich-keit, mit denselben zu einem bestimmten Abschlüsse zu kommen.Ubaldini erzählte dies natürlich sofort dem Don Pedro, der es gernnach Madrid berichtete mit dem frohlockenden Zusätze: die ganzefranzösisch-italienische Intrigue scheine nun endgültig begraben!')
Kein Zweifel, daß der Unwille der französischen Staatsmännergegen den Herzog vielfach erkünstelt und absichtlich übertriebenwar, um ihre eigene plötzliche Frontverändernng mit einem ent-sprechenden Verwände zu entschuldigen. Wußte ja Heinrich ganzgenau, wie durchaus es nur von ihm abhing, den Savoyer mit Leibund Seele an Frankreich zu ketten! Indeß er wollte jetzt von dem
') LlS. Dep. Tvledo's v. 27. Okt. (Paris).