Band 
Dritter Theil.
Seite
418
JPEG-Download
 

418

Viertes Kapitel.

Herr die Beilegung des Zwistes wünsche; aber den Prinzen aus-liefern könne er nicht. Vielmehr sollte der Gesandte Heinrichdarauf aufmerksam machen, daß jeder spanische Flüchtling, selbstder ärgste Verräther, stets die freundlichste Aufnahme in Frankreichgefunden und man dort auf jede Bitte um Auslieferung geantwortethabe, daß man seine Freunde nicht beuachtheiligen könne. — Diefeindselige Gesinnung, die sich bereits in diesen Worten aussprach,beherrschte seit Ende Februar 1610 mehr und mehr die spanischenRegierungskreise. Dieselben begannen, den Krieg mit Frankreichals unvermeidlich anzusehen, und je mehr sie ihn fürchteten, destoeifriger suchten sie nach Bundesgenossen. So begannen sie in derThat das auszuführen, wessen Heinrich IV. sie bisher fälschlichbeschuldigt hatte: sich Conde's gegen die innere Ruhe Frankreich'szu bedienen. Wenn Heinrich außerhalb der Grenzen Krieg führenwürde, sollte Conde in jenes Land gesendet werden und an dieSpitze aller Unzufriedenen, der Hugenotten sowohl wie der eifrigenUltramontanen, treten. Würde der König sterben, so müsse Condeseine vermeintlichen Ansprüche auf den Thron erheben, um entwederdem neuen französischen Monarchen ernste Schwierigkeiten zu be-reiten oder doch denselben zur Unterwerfung unter die spanischePolitik zu schrecken. Deshalb wurde Cardenas angewiesen, zwaröffentlich seine Wünsche für Beilegung deö Zwistes zwischen Heinrichund Conde auszusprcchen, im Geheimen aber mit allen möglichenMitteln die Feindschaft zwischen beiden Männern zu steigern; fernermit den Hugenotten und dem Connetable v. Montmorcncy, dessenwahre Gesinnungen man in Madrid Wohl kannte, Verbindungenanzuknüpfen. Wie schon zu Biron'S Zeiten hinderte also die strengeKirchlichkeit der spanischen Regierung dieselbe nicht, sich der Ketzer,deren Vernichtung sie doch als das eigentliche Ziel ihrer Politikhinstellte, zu ihren eigenen weltlichen Zwecken zu bedienen!

Diesen Absichten entsprach auch die Behandlung Conde's inMailand. Auf ausdrücklichen Befehl der spanischen Regierungwurde er von Fucntcs mit großer Pracht aufgenommen, im dortigen