Der iülicher Erbfolgeslrcit
473
weiterer großer Vortheile zu einer so vollständigen Umwandlungseiner seit zwölf Jahren in entgegengesetzter Richtung cngagirtenPolitik zu bewegen gewesen.
Wie die Entscheidung, durch welche über Hcinrich's ganzesLebenswerk, sein Ansehen bei der Mitwelt und seine Beurtheilungin der Geschichte die Würfel fallen mußten, sich unaufhaltsamnäherte, wurde der König doch bisweilen von banger Sorge be-schlichcn. Schon seit dem Beginn des Aprilmonats wurde er oftvon plötzlicher Entmuthigung und Todesahnungen erfaßt, die frei-lich mit häufigen Zornesanfällen und Ausbrüchen abwechselten. Erinochte äußere und innere Feinde aller Art fürchten. Oft genugrief er aus, indem er nach seiner gewöhnlichen Weise, wenn eraufgeregt war, an seinem Barte zog: „Dies verwünschte Geschlechtder Ligue ist noch nicht ausgcstorben, diese verwünschte Ligue!"Selbst der Aberglaube gewann Herrschaft über sein ängstlich ge-spanntes Gemüth; er ließ sich von der Prophezeiung eines Astro-logen beeinflussen, daß in Folge dieses Krieges der König undzwei seiner Söhne das Leben verlieren würden.') Sogar diehöchsten Beamten und Offiziere begannen schon — freilich mitUnrecht — an dem ganzen Unternehmen zu zweifeln. Der Herzogvon Epernon, Generaloberst der französischen Infanterie, äußerte:„Wir wollen, und wir wollen nicht." Zu dem Marquis von LaFmee, einem seiner nächsten Vertrauten und Gehülfen, bemerkteHeinrich in einem Augenblicke der Entmuthigung selbst: er glaubenicht, daß es zum Kriege kommen werde; er müsse wohl sein Ver-sprechen erfüllen und die deutschen protestantischen Fürsten unter-stützen, aber weiter werde er nichts unternehmen, wenn man ihnnicht dazu zwinge. Und La Force war geneigt, diesen Versicherun-gen vollständigen Glauben zu schenken; dieser Anfang zu einem
U 1^18. Dep. Cardenas' v. 30. Scpl. 1609, 5. April >610. Vgl- Dep.desselben v. 27. April 1610; liucum. ineO. V, 144. — Andere Vorzeichen8>ri II, 246 I-