Atomverbindungen und Molekülverbindungen. 101
düngen in Lösungen hin (siehe Kapitel XVI: „Dissociation von und inLösungen“).
Die Verbindungen nach festen Verhältnissen scheiden,sich also in Atomverbindungen einerseits und Molekül-verbindungen andererseits dadurch, dass bei ersteren die den ein-zelnen elementaren Atomen zukommenden, wahrscheinlich durch die Formderselben bedingten, Verwandtschaftseinheiten in Mitwirkung kommen,Während bei den letzteren nur die Gasammtanziehungen, welche die alsMoleküle zu betrachtenden Körpertheilchen ausüben, und nicht die ein-zelnen Verwandtschaftseinheiten der dieselben zusammensetzenden ele-mentaren Atome in Wirksamkeit kommen.
Der Unterschied zwischen Atom- und Molekülverbindungen wirddadurch nicht verwischt, dass elementare Atome, wie z. B. .das Queck-silberatom, Hg, oder freie Verwandtschaftseinheiten bietende Atomgruppen,wie z. B. das Atom der Untersalpetersäure, N0. 2 (siehe Kapitel XII:„Zersetzung von Gasen durchWärme“), auch als Moleküle auftretenkönnen. Sobald bei Verbindungen von freie Verwandtschaftseinheitenbietenden Atomen oder Atomgruppen diese freien Einheiten nicht in An-spruch genommen werden, befinden sich diese Atome oder Atomgruppenm einer Molekülverbindung. Im gegentheiligen Falle befinden sich die-selben mit den die Sättigung der Verwandtschafteinheiten bewirkendeneinfachen oder zusammengesetzten Atomen in einer Atomverbindung.So besteht der Dampf der Untersalpetersäure bei gewöhnlicher Tempe-ratur und bis zu 150° theilweise aus Molekülen N2O4, theilweise aus Mo-lekülen X0 2 . Da man aber •annimmt, dass in dem Molekül N2O4 dieVerwandtschaftseinheiten der beiden es zusammensetzenden AtomgruppenN 0 2 und N 0 2 sich gegenseitig sättigen, so betrachtet man die Atom-§ruppe X 2 O4 als eine Atomverbindung und nicht als eine Molekülverbin-dung, wenngleich die dieselbe zusammensetzenden Bestandtheile auch alsMoleküle, d. h. im freien Zustande für sich Vorkommen.
Was übrigens das Vorkommen von Mo 1 ekülverbindungen111 Gasform anlangt, so wurde das wirkliche Bestehen von Verbindungender Essigsäuremoleküle C 2 H 4 02 unter sich im Dampfe der Essigsäurebei nicht allzu hoher Temperatur bereits erwiesen (siehe S. 86). Dieseither dargelegten Anschauungen hinsichtlich des Wesens der verschie-denen Aggregatzustände (siehe S. 31) schliessen die theoretische Erklä-rungi) c ] er Möglichkeit des Bestehens von Molekülverbindungen in Gas-form in sich. Gemäss denselben wird ein Körper in den Gaszustandübergehen, wenn durch Temperaturerhöhung die lebendige Kraft derMolekularbewegung so gross geworden ist, dass sie die Anziehung einesMoleküls durch sämmtliche übrige Moleküle zu überwinden vermag. EsWird ferner dieser Uebergang in Gasform dann stets ohne Zersetzungstattfinden, wenn die der Molekularbewegung entsprechende lebendige
J ) Alex. Na um an n ,. Ber. d. deutsch, chem. fies. 1869, 347.