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Die Mapia- oder Bunai-Inseln / Arthur Wichmann
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iuerreicht yom Verfasser

Abdruck aus Dr. A. Petermanns Geogr. Mitteilungen 1900, Heft III.

Die Mapia- oder Bunai-Inseln.

Von Prof. Dr. Arthur Wichmann in Utrecht .

Erst im vorigen Jahre ward die öffentliche Aufmerk-samkeit auf diese an und für sich ganz unbedeutendeInselgruppe hingelenkt 1 ), nämlich als dieselbe von Spa­ nien durch den Verkauf der Karolinen dem DeutschenReich überlassen war und dem entsprechend einen Platzauf der grofsen Karte von P. Langhaus angewiesen er-halten hatte 2 ). Im Gegensatz zu dieser Vereinbarung hat-ten die Niederlande die erwähnte Inselgruppe boreits seitlängerer Zeit als zu ihrem Besitz gehörig betrachtet und ;seit reichlich zwei Jahrzehnten thatsächlich unter ihre Ober- Ihoheit gestellt. Diese Umstände mögen es rechtfertigen, ;wenn in den nachfolgenden Zeilen den Geschicken dieserEilande eine Darstellung zu teil wird. !

Die Mapia 3 )- oder Bunai-Gruppe 4 ) besteht aus fünf jInselchen, nämlich 1) Pegun, 2) Fanelten, auch Fenedito,Vanildor, Van-ill-dan, Fanelin, Onello oder Jeldao genannt,

3) Burat, auch unter den Namen Punateh, Bras, Boanigt,Boonight oder Onata erwähnt, die sämtlich mit Kokos-hainen bedeckt sind. Aufserdem sind noch zwei kleine,niedrige Inselchen, Fanerak und eine auch bei den Ein-gebornen unbenannte, vorhanden, die lediglich eine aus j

Gras und niedrigem Buschwerk bestehende Vegetation tragen.Der gesamte Oberflächeninbalt dürfte kaum 6 qkm über-schreiten, während das gemeinschaftlich sie umgebende Riff,zwischen 0° 49'1° 3' N. Br. und 134° 15'134° 19i'Ö.Ij. sich erstreckend, eine Ausdehnuug von etwa 132 qkm ,besitzt. Die niederländischen Seekarten führen nur 3,die englische Seekarte: Eastern Archipelago 7 Inseln auf, !während die zum Reisewerke von Dumont dUrville gehö- irige: Carte des lies Carolines richtig 5 Inseln angibt. !

Als Hernando de Grijalva und Alvarado im April des j

Jahres 1537 von Peru aus sich aufmachten, um nach den j

Molukken zu gelangen, erreichten sie nach mancherlei Irr- !

fabrten im Stillen Ozean die im Geelvink-Busen, im Norden j

von Neu-Guiuea, gelegenen Inseln. Von hier aus begaben I

sich beide Schiffe nach andern Eilanden, Gueles oder j

Gelles genannt, die unter demselben Breitengrade wieTernate und 124 oder 125 leguas von der Insel Moro, !

d. i. Morotai, entfernt lagen. Die Bewohner derselben J

waren braun und trugen schlichtes Haar, gleich denjenigender Molukken, jedoch erwies sich ihre Sprache als eineabweichenhe 5 ). Bereits James Burney , und nach ihm

1) Die Inselgruppe ist so wenig bekannt, dafs die englischen, franzö-sischen , amerikanischen und deutschen Segelhandbücher für den GrofsenOzean keine Notiz von ihr nehmen, ja nicht einmal ihren Namen anführen.Anderseits mufs aber hervorgehoben werden, dafs dieses wohl der Fall istmit Bezug auf die Segelhandbücher des Indischen Archipels, wie TheOriental Navigator, 2 t5 > ed., London 1800, p. 566; James Horsburgh , IndiaDirectory, 4th ed. London 1836. II, p. 570; F. A. A. Gregory: Zeemansgidsvoor de vaarwaters beoosteu Java naar en door de Molukken en terug.Amsterdam 1853, p. 372.

2 ) Karte der deutschen Verwaltungsbezirke der Karolinen , Falau undMarianen. Gotha , Justus Perthes , 1899.

3 ) Die in den Molukken übliche Bezeichnung.

4) Der bei den Karoliniern gebräuchliche Name.

6 ) Antonio Galvano: The Discovery of the World. London 1862.Hakluyt Soc., p. 208. B. L. de Argensola: Conquista de las islasMolucas. Madrid 1608, p. 64.

andre Forscher, hatten erkannt, dafs die von ihm irrtüm-licherweise Guedes genannte Gruppe mit den späterunter dem Namen Fr e e will-1 n se 1 n bekannt geworde-nen identisch sei *). Die ursprüngliche Bestimmung ihrerLage ist denn auch eine in jeder Hinsicht so genaue, dafsein Zweifel an dem ersten Besuch der Mapia-Inseln nichtobwalten kann.

Es währte bis zum 7. Mai 1705, ehe die Bewohner nach-weisbar aufs neue mit Europäern in Berührung kamen 2 ).In der Frühe des genannten Tages befand sich nämlichdas Schiff William Dampiers plötzlich angesichts einesRiffes, das von einer Insel zur andern lief, und nur derUmstand, dafs eine Brise vom Ufer aus sich erhob, ver-hinderte das Scheitern. Der nördlichsten Insel (Fanelten)wurde aus diesem Grunde der Name Island of Deceitbeigelegt. Längs des Westrandes des Riffes weiter se-gelnd, gelangte das Schiff darauf in die Nähe der gröfstenInsel (Pegun), welche den Namen Island ofDisappoint-ment erhielt. Hier näherten |sich demselben 40 bis50 Prauen, von denen jede mit 10 Mann besetzt war.Aufserdem aber gewahrte man Hunderte von Eingebornenam Ufer stehend. Als den Prauen ein Zeichen gegebenwar, herbeizukommen, näherte sich eine derselben bis aufSchiffslänge. Inmitten der 10 Männer, die sämtlich nacktwaren, befand sich ein alter, würdiger Herr, der zudemnoch durch eine viereckige Kopfbedeckung ausgezeichnetwar. Es erschallte zunächst ein gemeinschaftlicher Gesang,der wohl eine Viertelstunde währte. Als darauf das Bootam Schiffe beigelegt hatte, erhoben sich die Stimmen aufsneue. Nachdem auch dieses Lied beendet war, streckteeiner der Mänuer sein mit einer grofsen Wunde bedecktesBein in die Höhe. Auf jene weisend, wollte er den Wunschnach Heilung zu erkennen geben. Dampier aber, der anWassermangel litt, liefs ein Glas füllen und führte dasselbezum Munde, um damit das Verlangen nach Getränken kundzu thun. Allgemeines Schütteln des Kopfes war jedochdie Antwort. Als darauf das Schiff Anstalten traf, umsich dem Strande zu nähern, blies einer der Eingebornenin sein Horn, was sämtliche Prauen veranlafste, näher zukommen. In der Meinung, dafs diese Menschenmenge sichan Bord begeben wollte, wurde ein Musketenschufs abge-feuert, um eine allzu nahe Berührung zu verhindern. DieWirkung desselben war eine aufserordentlich überraschende;die Prauen stoben auseinander, wobei die Ruder drohend

t) A chronological History of the Discoveries in the South Sea orPacific Ocean, I. London 1803, p. 183.

Da. in den Quellen lediglich von Gueles oder Gelles die Kede ist,so kann auch die von Burney etwas gewaltsamerweise versuchte Ableitungdes Namens (Guedes, in the Spanish language, signifies locks of hair)keine zutreffende sein. Mir scheint es vielmehr, dafs der Name auf einerVerstümmelung desjenigen der Insel Fanelten beruht, zumal Carteret dasWort Onello herausgehört hatte. Krusenstern lührt nicht allein die un-richtige Bezeichnung Guedes an, sondern verlegt auch die Entdeckung indas Jahr 1554. (Atlas de lOcöan Pacifique, Nr. 3. St. Petersburg 1824.)

2 ) W. Funnel: A Voyage round the World. Being an Account ofCapt. William Dampiers Expedition into the South Seas in the SbipSt. George. (A Collection of Voyages, Bd. IV, London 1729, p. 158160.)