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Schiri Galileo bemerkte, daß man von der Moudkugel streng genommen nicht immer blos dieeine Hälfte zu sehen bekomme, sondern, daß der Mond auch von Zeit zu Zeit einen kleinen Theil dervon uns abgewendeten Hälfte sehen lasse, was er aus der Zu- und Abnahme der Breite während desUmlaufes um die Erde erklärte.*) Hevelius untersuchte bei seinen mehrjährigen Mondbeobachtungendiese eigenthümliche Erscheinung, lübratio, oder Schwankung genannt, genauer, und fand, daß dieselbenicht nur in der sich beständig ändernden Breite des Mondes, sondern auch in der ungleichförmigen Be-wegung des Mondes in seiner excentrischen Bahn und in der Lage der Knoten ihren Grund hätte; inden aufsteigenden Zeichen verschöbe sich der Mittelpunkt der Scheibe nicht nur gegen Süden, sondern auchgegen Osten hin etwas, so daß am südöstlichen Rande ein Streif v«i der von uns abgewendetenMondhälfte zum Vorschein käme, während am nordwestlichen Rande mehrere Flecken unsichtbar würden, daherman außer Schwankung in Breite auch eine Schwankung in Länge annehmen müsse.
Beim Durchwandern der absteigenden Zeichen bietet sich dieselbe Erscheinung dar, nur nach entge-gengesetzter Richtung. Die Schwankung in Länge beträgt im Marimum 1' 45", die in Breite 60", denscheinbaren Durchmesser zu 30 Minuten angenommen.**)
Die Mondflecken, welche über die ganze Mondscheibe vertheilt sind, erscheinen im Fernrohre alsHöhen, Tiefen und Flächen. Auf ersteren erheben sich Berge von sehr verschiedener Höhe, die höchsten
nicht über einer deutschen Meile.***) Die Tiefen, vnllos, sind meist von rundlicher Gestalt. Die
Ebenen möchte man mit den Meeren, Seen und Sümpfen vergleichen, ohne damit sagen zu wollen,daß Wasser, wie es auf der Erde vorkommt, diese Flächen bedecke. Auch Gebirgszüge kommen auf demMonde vor und zwar mitunter von sehr großer Ausdehnung. So ist z. B. der Daurus über 170Meilen lang. f)
Die Erde muß, vom Monde aus betrachtet, eine ähnliche Abwechselung von hellen und dunklenFlecken, wie uns der Mond, darbieten, und zur Zeit des Neumondes den Seleniten, deren es geben kann,wenn sie auch den Menschen und Thieren auf der Erde nicht ähnlich sein mögen, den prächtigen Anblickeiner glänzenden, fast 14 Mal so großen Scheibe, als uns der Vollmond erscheint, gewähren.
Haben wir Neumond, so hat man auf dem Monde Vollerde und die 14tägige Nacht auf demMonde wird durch das reflectirte Licht der Erde in etwas erhellt, wie wir an der aschgrauen Färbungder Nachtseite des Mondes ein paar Tage nach dem Neumonde bemerken können, s-s)
Zur Zeit einer Mondfinsterniß haben die Seleniten eine Sonnenfinsterniß. Tag und Nacht wechselnzwar auch auf dem Monde ab, aber ein Tag ist hier ungefähr 14 Erdentage lang und eben so langewährt die Nacht. Der Unterschied der Tageslängen ist nicht merklich, Winter und Sommer wechselnallmonatlich und ein einmaliger Umlauf um die Erde ist gleich einem Mondenjahre.f-f-f) Die Refraktion
ist im Horizonte — 33'; bei 15" Höhe — 8'; bei 30" Hökw 1' 4"; bei 45" Höhe — 0.
*) 6aMeo. I^unoiu« »iiloreu».
**) Lvlenoxrapliie S. 22k ff. Prgl. Lpistvl» Zo mot» I»n»o lilienlorio.
"*) Hevelius kennt nur eine Methode, die Mondberge zu messen, die der sogenannten Licht ta ugenten iiäinlich,oder die Methode, die Höhe eine« Berges in der Nachtseite des Mondes aus dem Abstände des Berges von der Lichtgreize indem Augenblicke zu bestimmen, in welchem der Berggipfel von den ersten Sonnenstrahlen getroffen wird, wobei der Unterschiedzwischen der Hypothenuse und dem Radius die gesuchte Höhe giebt.
Da man die höchsten Berge auf der Erde zu jener Zeit nicht über ') Meile schätzte, so waren die höchsten Mondbcrgemit Berücksichtigung des Verhältnisses des Mondhalbmessers zu dem der Erde mehr als Mal höher. Zolenogr. 2«7 ff.
-f) Der Dauruo gehört nach Mädler zu den Strahlen, welche vom 'l'xol,» ausgehen,chf) 8el«»»xr»pt>>e S- 2 S 0 . Brgl. Liüereu» uuneiu« 6»Mei >>. 27.schch) 8«l«u»xr>»xt>>v S. 292 ff.