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I. Chronik.
Dar, neue Schuljahr begann am 13. April. Neben dem Gymnasium in sechs Classen, von denenI, II, III zweijährige, IV, V, VI einjährige Curse haben, erschien jetzt auch die Realschule, abgesehenvon einigen Combinationen für die unterste Stufe, ganz entsprecl end den durch das Regulativ vom 2.Juli 1860 gegebenen Normen, als eine Anstalt von sechs Classen mit einjährigen Cursen. Bedeutsamwurde dieser Anfang auch dadurch, daß durch Anstellung eines neuen ordentlichen Lehrers, des HerrnCand. Schnabel, die Möglichkeit geboten war, den gesammten französischen Unterricht der Gymnasial-elassen in denselben Händen zu vereinigen. Eben diese Anstellung machte es möglich, daß Herr CantorFischer fortan seine Wirksamkeit an unsrer Anstalt ausschließlich auf die Leitung des Gymnasialchors undden allgemeinen Gesangunterricht der vereinigten Anstalten beschränken konnte.
Der neue College hat über seinen bisherigen Lebensgang Folgendes mitzutheilen gehabt.
Ernst Julius Schnabel, ältester Sohn des Kaufmanns Julius Schnabel in St. Katharincnbcrg im Buchbolz (gew.kurz Buchholz), wurde daselbst den 25. Decbr. 1837 geb. Nach genossener Borbereitung durch Privatlehrer und auf dem mitder Realschule in Annaberg verbundenen Progymnasium trat er Ostern 1851 in die Fiirstenschule zu St. Afra als Alumnusei», zu Michaelis 1856 aber bezog er die Universität Leipzig, um Theologie und Philosophie zu studircn. Nachdem er daselbstdas theol. Candidatcncxamcn Ostern 1861 bestanden hatte, war er bis gegen Ostern 1863 als Hauslehrer in der Familie deöHerrn Friedensrichters Päßlcr auf Bclmsdors bei Bischofswerda thätig. Darauf wurde er, nachdem er sich besonderer Anordnungzufolge einer Specialprüfung im Französischen zu Dresden unterzogen hatte, vom h. Ministerium des Cultus und öffentlichenUnterrichts, dem er sich zur Disposition gestellt hatte, als ordentlicher Lehrer an das Gymnasium mit Realschule in Zittau berufen. Er trat diese Stelle mit dem Beginne des neuen Schuljahres an. Das Michaelis darauf bestandene theol. WahlfähigkeitS-examcn reihte ihn in die Zahl der Predigtamtscandidaten ein.
Zu unsrer tiefsten Betrübniß war unser erst seit einem halben Jahre definitiv angestellter CollegeSchiefer gleich am Anfange des Schuljahres durch schwere Krankheit von der ihm schnell so lieb gewordenenStätte des Wirkens fern gehalten. Die Keime einer unheilbaren Krankheit entwickelten sich rasch, undobwohl er selbst, der Natur dieser Krankheit gemäß, noch lange Leidenswochen an Hoffnungen sich weidete,so konnten doch seine Verwandten und Freunde das sichere Fortschreiten des Uebels nicht verkennen. Erverschied den 24 Juli Nachts 11 Uhr im Hanse seines Schwagers zu Döhlen bei Dresden . Der Directorhatte den traurigen Trost, den 27. Juli der Beisetzung seiner irdischen Ueberreste beiwohnen zu können.Früh in sich abgeschlossen, wahr und treu in jeder Verbindung des Lebens, voll des regsten, nachhaltigstenEifers für seinen Beruf, so hatte er in unserer Mitte gestanden. — Als Vicar war schon am I?. AprilHerr Hermann Dix wieder bei uns eingetreten. Derselbe hat seitdem mit der ihm eigenen Frische undEnergie unter schwierigen Verhältnissen die mathematischen Lectionen der obern Nealschulclassen besorgtund ist jetzt, nach ehrenvoll bestandener Prüfung, definitiv als ordentliches Mitglied in unser Collegiumeingeführt worden.
Ueber sein bisheriges Leben hat derselbe Folgendes znr Veröffentlichung dargeboten.
Ludwig Hermann Dix , ältester Sobn des Tischlermeisters Dix in Zwickau , wurde geboren den 18. Fcbr. 1838. Ausder Bürgerschule seiner Vaterstadt entlassen, kam er 1852 auf die Gewerbeschule in Chcmnitz, wo er durch Uebung im geometr.Zeichnen und Erlernung der Elementarmathematik für die Profession des Vaters ausgedehntere Geschicklichkeit gewinnen sollte.