überreicht vom
Abdruck aus Dr. A. Petermanns Geogr. Mitteilungen 1900, Heft i.
Zur Geologie
Von Prof. Dr. Arthur
Die vor einigen Tagen veröffentlichten „Beiträge zur(Geologie von Celebes , I. Minahassa“ *) geben den Anlafszu einigen Berichtigungen.
1. Die Minahassa wird nicht, wie Herr Bücking be-hauptet, öfters von heftigen Beben heimgesucht. Eben-sowenig ist es zutreffend, dafs dieses zum letzten Malebei dem Ausbruch des G. Awu auf der Insel Sangi am7. Juni 1892 geschehen sei * 2 ) denn damals hat man über-haupt kein Erdbeben, sondern lediglich Lufterschütterungen(Detonationen) verspürt 3 ). Ferner dürfte es unzuläfsigsein, zu behaupten, dafs die Erdbeben „wohl ohne Aus-nahme auf vulkanische Kräfte zurückzuführen“ seien. DieErfahrung lehrt, dafs Erdstöfse im ganzen Bereiche desTomini-Busens, sowie der Molukkenstrasse eine ziemlichhäufige Erscheinung sind. Sie sind durchaus nicht auf dasvulkanische Gebiet im N beschränkt, sondern treten ebensogut innerhalb des Granitterritoriums, sowie der archaeischenAblagerungen auf.
Das Schüttergebiet eines einzigen Bebens besitzt zu-weilen eine grofse Ausdehnung. So wurden infolge desBebens von Banggai am 29. Juli 1859 nicht allein dienördliche und nordöstliche Halbinsel von Celebes , sondernauch die Molukken in Mitleidenschaft gezogen 4 ). Dasselbewar über einen Flächeuraum von mehr als 20 Mill. qkmfühlbar. (Jm ein Beispiel aus der neuesten Zeit zu er-wähnen, möge an das Beben vom 21. September 1897 er-innert werden, das in gröfster Heftigkeit an der Nordwest-küste von Borneo und auf den Philippinen auftrat, dabeiaber nicht allein die Minahassa berührte 5 ), sondern auchzu Batavia und sogar an einer Reihe von Orten in Europa durch die feinem Instrumente registriert werden konnte 6 ).Es ist also der Archipel noch Erdbeben unterworfen, dienicht als vulkanische nach dem üblichen Sprachgebrauch,d. h. als lokal begrenzte, bezeichnet werden können, undes ist nicht einzusehen, warum Nordcelebes davon eineAusnahme machen sollte.
2. „Der Klabat (oder G. Kemas) hatte 1683 einenheftigen Ausbruch.“ Zunächst ist aus dem Jahre 1683überhaupt kein Ausbruch auf Celebes bekannt geworden.Die dahin gehende, dem Werke von Junghuhn entnommene
!) Petermanns Mitteilungen, XLV, 1899, p. 249.
а ) Das letzte heftige Beben fand am 25. November 1865 statt;das heftigste des ganzen Jahrhunderts war dasjenige vom 8. Februar 1845.
8 ) S. Figee en H. Onnen: Vulkanische verschijnselen en aardbevingenin den 0. I. Archipel 1892. (Natuurk. Tijdschr. Ned. Ind., LIII, 1893,p. 137, 138.)
4 ) Natuurk. Tijdschr. Ned. Indie, XXI, 1860 p. 397—399.
5) S. Figee: Vulkanische verschijnselen en aardbevingen in den 0. I.Archipel 1897. (Natuurk. Tijdschr. Ned. Indiö, LVIII, 1898, p. 143u. 144.)
б ) G. Agamennone; I terreraoti nell’isola di Labuan del 21 settembre1897. (Atti della E. Accad. dei Lincei. Eendiconti (5) VIII. Eoma 1898,p. 155; auch Boll. della Soc. Sism. Ital. IV, 1898, p. 157.)
der Minahassa.
Angabe beruht auf einem Druck- oder Schreibfehler*).Leopold von Buch hatte bereits in dem seinem Werkeüber die Canarischen Inseln (1825) aDgehängten Vulkan-katalog die richtige Jahreszahl 1680 genannt 2 ), die sichdenn auch in den Werken von K. E. A. von Hoff, Land-grebe u. a. wiederfindet. Sodann ist es aber ganz zweifel-haft, ob sich der ei wähnte Ausbruch auf den Klabat be-zieht. Die von Junghuhn angeführte und daher auchHerrn Bücking nicht unbekannte Quelle ist das Werk vonF. Valeutijn , und hierin heilst es wörtlich: „De wegenlandwaarts in naar Datahan, Passan en Saccan aan deeene en naar Saban aan de andere zijde plagten in vorigetijden, voor 1680, veel beter dan naderhand te wezen,vermits zij door het vervolgens springen en opvliegen vanverscheidene bergen landwaarts meest in’t midden gelegenvan de smalle strook van de K em as of Gro ote 0 ester-bergen af tot geheel aan Gorontalo gelegen en meest inbrandende zwavelbergen bestaande, onbruikbaar geworden“ 3 ).Das will also besagen, dafs von den Kemas 4 ) oder GrofsenAusterbergen ab (man beachte den Plural), vom Jahre1680 an, verschiedene Berge, die gröfstenteils landeinwärtsliegen 5 ) bis nach Gorontalo hin, Ausbrüche gehabt haben.Dio Frage ist zunächst eine offene, was unter jenen Bergenzu verstehen ist, denn in der Nachbarschaft von Kemaliegt sowohl der einzeln aufragende Klabat, als auch derDoppelberg Duwa Sudara.
Nun ist aber noch eine zweite Notiz erhalten geblieben,und zwar von Nie. Witsen, der da schreibt: „To which Ia d d, that the Mountain Kema or Brothers, in the Terri-tory of Manado , is blown up with a most dreadful noise,as of the hardest Thunder, which caused Darkuess andEarthquake with very heavy Blows and other dismal signsat Ternate“ 7 ). Da Witsen ausdrücklich hervorhebt, dafser den erwähnten Bericht den aus Indien im Jahre 1694erhaltenen Briefen nicht entnommen habe, so herrschtvöllige Ungewifsheit hinsichtlich des Datums der Eruption 6 ).
J ) Java, II, Leipzig 1854, p. 847. In einer früher erschienenenchronologischen Übersieht steht bereits 1680 (Tijdschr.voor Neerl . Indiö1845, I, p. 35).
2 ) Gesammelte Schriften III, Berlin 1877, p. 580.
s ) Oud en Nieuw Oost Indien I, 2. Dordreeht - Amsterdam 1724,p. 64.
4) Das soll offenbar bedeuten: die Berge von Kema, einem an der
Ostküste gelegenen Hafenort.
6) Von den Bergen wird keiner namentlich aufgeführt, ausgenommender Ambang, welcher aber nicht mehr zur Minahassa gehört.
7) Philosoph. Transactions, XIX, London 1697, p. 529.
6 ) Ch. Daubeny: A l'escription of active and extinct Volcanoes, 2 d ed„London 1848, p. 400 (deutsche Ausgabe Stuttgart 1850, p. 222), hatfreilich aus dem Datum des Briefes den Schlufs gezogen , dafs der Aus-bruch 1694 erfolgt sei. — C. W. C. Fuchs: Die vulkanischen Erschei-nungen der Erde, Leipzig 1865, p. 48, lälst sogar den Kemas 1694 ent-stehen nnd einen andern Berg, den Klabat, 1680 teilweise durch Eruptionzerstört werden.