4. Beisetzung der Geißelopfer.
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Die Bureaux des Stadthauses und seiner Nebengebäude, welchealle in Ruinen liegen, sind am linken Ufer der Seine in derneuen großen Municipal-Caserne eingerichtet. Der Greveplatzist wieder in Stand gesetzt; die gigantischen Ruinen des Hotelde^Ville werden mit Planken umzäumt, um dem Publicum denZutritt zu verwehren. Aehnlich so geschieht es mit den anderenHauptruinen. Die Häuser der Avenue Victoria, des PlatzesSt. Jacques und an der Ecke des Boulevard Sebastopol wer-den einzerissen und binnen 6 bis 8 Monaten wieder construirtsein; denn länger währt hier der Bau des größten Gebäudesnicht, da man in dieser Kunst eine wunderbare Fertigkeit erlangthat, und dazu die riesigen Kalk- und Sandsteinblöcke nach Num-mer und Werth in allen Größen stets auf Lager fertig liegen.Faqaden, Dach- und Fenstergesimse, Balcone, Treppen, Dach-giebel, alle diese Theile, sowie Thüren und Fenster sind vor-räthig; man braucht es eben nur zusammen zu stellen. Mono-tonie tritt dabei natürlich zu Tage, im klebrigen aber sind diePariser Neubauten besonders dem Feuer und der Zeit gegenüberals ganz vorzüglich zu bezeichnen.
Das Hauptereigniß des gestrigen Tages ist die feierlicheund pomphafte Beisetzung derunglücklichen Geißel-Opfer der schaurigen Maiwoche, bei welcher Gelegenheit Parisseinen verhältnißmäßig dürftigen Militärluxus ausstellen konnte.Leider war das Wetter wenig günstig: kalt und r-gnerisch, den-noch aber war Paris seit Monaten wohl zum ersten Mal wiederParis, d. h. ein ungeheures Gewoge von schaulustigen Men-schen, und trat die geistliche Welt bei dieser Gelegenheit wiederin ihrer ganzen Stärke zu Tage. Ueberall während der Morgen-stunden sah man Schwestern und Brüder der verschiedenstenOrden, sowie Mönche und niedere Geistliche entweder paar-oder truppweise über die Straßen eilen, was der Scene einenetwas mittelalterlichen Character verlieh. Besonders die Domi-nikaner und Franziskaner mit ihren ärmlichen braunen Kutten,